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Mittwoch, 26. März 2014

Big in Japan - Magnums im Weinklub

Porto Bocho. Das ist der Name, des Ende letzten Jahres gegründeten ersten Weinklubs in Bochum. Das Konzept: Ein bunter Haufen Weinverrückter trifft sich regelmäßig, um dem besten Getränk der Welt in geselliger Runde zu huldigen. Man läd Sommeliers oder Winzer ein, die locker durch den Abend führen oder veranstaltet Mitbring-Abende unter bestimmten Mottos. In Hamburg oder Berlin nichts neues, doch im weintechnisch mittelalterlichen Ruhrgebiet in dieser Form ein echtes Novum. Als ich davon erfuhr, war schnell klar: Ein Weinklub vor meiner Haustür, ohne mich ? Is nich ! Da ich einige Mitglieder bereits kannte, fragte ich mich schnell zu oberster Stelle, dem Präsidenten des Klubs, Christian Farago durch. Der lud mich auch prompt zum nächsten Klubtreffen zum beschnuppern ein. Durch den Abend sollte eine Hamburger Sommeliere mit Hilfe einiger fetter Bordeaux führen.




Doch es kam anders... Die Sommeliere sagte einige Wochen vorher leider ab. Doch wie der Zufall will schrieb ich zuvor Christian, dass ich noch einige gereifte Rieslinge in Magnum Flaschen im Keller hätte und gerne einen Abend mit passendem Asia Food machen würde. Er war direkt begeistert und fragte mich ob ich nicht einspringen könnte um so den nächsten Weinklub Abend zu gestallten. 



So kam es, dass sich am 21. März sechzehn weindurstige Herren im Cross-Asia Restaurant Tapasia in Bochum einfanden, um Rieslinge aus 1,5 Liter Flaschen aus den Jahren 1995 bis 2009 zu genießen. Kulinarisch perfekt begleitet von meinem guten Freund und Küchenchef des Tapasia, Marvin Amada. Los ging es nach ein paar einleitenden Worten, mit dem Riesling Sekt "Brut 1900" vom Weingut Van Volxem zu Sushi vom Lachs. Erste großartige Kombination, der noch viele weitere Folgen sollten. 
Eine echte Überraschung war für mich die 2007er Spätlese trocken aus der Lage Volkacher Ratsherr vom Weingut Zur Schwane. Geschützt vom Spessart, ist der Ratsherr eine der trockensten und wärmsten Lagen Frankens. Hier wächst der Riesling auf Muschelkalk Böden mit Lehmauflage, und bringt einen üppigen Wein mit stark mineralischen, fast salzigen Anklängen hervor. So auch der 2007er. Dieser duftet dekadent nach gelbem Steinobst und Quitte. Am Gaumen saftig und mit viel Zug, wird er spielend leicht mit den intensiven Aromen des Currys fertig.
Ein weiteres Highlight war für mich der auch aus 2007 stammende Wachenheimer Böhlig P.C. vom Pfälzer Weingut Dr.Bürklin-Wolf. Obwohl die Lage vom Buntsandstein geprägt ist, besitzt der Wein eine deutliche Feuerstein Note wie man sie eher von einem Sancerre vom Silex kennt. Am Gaumen dann die typische satte Pfirsich Frucht, etwas heller Tabak und zu allem Überfluss ist der Wein mit einer fast unverschämten Länge ausgestattet. Dazu ein auf den Punkt gegrilltes Tuna Steak. Hammer !



Abgeschlossen wurde dann spät Abends mit süßen Reisbällchen mit Mango und dazu eine 1995er Auslese vom Eitelsbacher Karthäuserhofberg... Was will man mehr ? Wahnsinns Weine, nette Menschen, super Abend. Danke ! Den Klubmitgliedern scheint es auch gefallen, da ich noch am selben Abend aufgenommen worden bin...



2007er Riesling Spätlese trocken, Volkacher Ratsherr, Weingut zur Schwane 91/100
2007er Riesling P.C. Wachenheimer Böhlig, Dr. Bürklin-Wolf 92/100



Sonntag, 19. Januar 2014

Sparkling Silvaner aus dem Supermarkt !?

In letzter Zeit beschäftige ich mich immer mehr mit deutschem Sekt. Ich bin vor allem großer Fan von charaktervollen Schaumweinen die nicht dem großen Vorbild Champagner hinterher hecheln, sondern durch ihre Herkunft, Rebsorte und Machart eigenständig sind. Die Riesling Traube kann das natürlich leisten und erbringt hervorragende Sekte mit Wiedererkennungswert, wie der letztens beschriebene Brut 1900 von Van Volxem. Doch haben wir in unseren dreizehn Anbaugebieten verschiedenste Rebsorten mit Tradition und Charakter. Und einige davon eigenen sich sehr gut zur Versektung. So zum Beispiel die fränkische Leitrebsorte Silvaner. Sie besteht mit Säure, Aroma und Schmelz gegen die Kohlensäure der Flaschengärung. 

Wie der Zufall will, war ich vor ein paar Tagem im lokalen Supermarkt einkaufen und dort wurde anscheinend kräftig ausgemistet. Es gab gleich drei Wühltische mit hart reduzierten Flaschen, das meiste Dreck: Billiger Prosseco, lieblicher Dornfelder, alter Glühwein usw. Doch fiel mir beim Vorbeigehen ein Name ins Auge, den ich kannte. Brennfleck. Diesmal nicht auf einem Bochsbeutel, sondern auf einer modern etikettierten Schaumwein Pulle. Silvaner Brut 2012 stand drauf. Kann also nicht schon ewig in den Tiefen der Regale rumgedümpelt haben. Preis: sechs Euro irgendwas. Kurz mal umgeschaut ob keiner zuschaut den man kennt und zack ab in den Wagen. Den 10er Pack Klopapier draufgelegt und ab zur Kasse. Weil Weinkaufen beim Discounter ist ja schon ein bisschen peinlich...und dann auch noch vom Grabbeltisch.



Das Weingut Brennfleck befindet sich in einem herrlichen Gutshaus Haus dem 14. Jahrhundert im fränkischen Sulzfeld. Winzer Hugo Brennflack baut mehrheitlich Silvaner an. Dafür kann er auf einige der besten Lagen Frankens zurückgreifen, wie zum Beispiel dem Escherndorfer Lump oder den Iphöfer Kronsberg. Der Silvaner Brut wurde nach der traditionellen Flaschengärung hergestellt. In der Nase duftet er süßlich nach Ananas, reifer Honigmelone, Quitte und Blumen. Am Gaumen mit eher dezenter Säure und viel Schmelz. Die Perlage ist zwar nicht Super fein, hält aber lange an. Der Wein macht definitiv Spaß und erweitert für eine lächerliche Geldsumme den Geschmackshorizont !

Alk: 12,5%
Preis: unter 7€
Punkte: 84/100

Dienstag, 22. Januar 2013

Drei Bocksbeutel vom Lump

Also ich finde ja Bocksbeutel auch irgendwie komisch. Sie passen in kein Weinregal und haben ein recht eingestaubtes Image. Dabei kommt es ja bekanntlich auf den Inhalt an. Und den besten Inhalt der einzigen bayerischen Weinbauregion Franken kommt wohl von Horst Sauer und von der wahrscheinlich besten fränkischen Lage, dem Eschendorfer Lump. Nach Süden ausgerichtet und geformt wie eine halbierte Satellitenschüssel, sind die Reben vor kalten Nordwinden geschützt und die Sonnenwärme wird optimal gestaut. Der Muschelkalk unter der Löslehm Auflage verleiht den Weinen ihre einzigartige Mineralität.
Horst und seine Tochter Sandra Sauer kultivieren auf ihren 15 Hekta vorallem die drei weißen Rebsorten Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau. Und genau die habe ich auch getestet und zwar alle in der Qualität Kabinett trocken und alle vom Eschendorfer Lump.

Als erstes der 2011er Müller-Thurgau, der auch unter dem Namen Rivaner bekannt ist: Tolle Goldgelbe, strahlende Farbe. In der Nase dezent nach Zitrusfrüchten und diesen gelben Zespri Kiwis. Im Mund nach Grapefruit, ein bisschen würzig mit milder Säure und etwas bitter. Mittellanger, etwas sahnig-kremiger Abgang. Easy Drinking.

Alk: 11,5%
Preis: 9€
Punkte: 88/100

Die Star Rebsorte von Horst Sauer: Der Silvaner. Der 2011er duftet nach grüner Papaya und gelber Grapefruit. Am Gaumen fruchtig, mit frischer Säure und Aromen von Mirabellen und Limone. Tolle salzige Mineralität. Die Säure verleiht ihm eine gute Länge. Ein Wein der sein Terroir toll wiederspiegelt, dabei nicht kompliziert wirkt und sehr zum trinken animiert.

Alk: 12%
Preis: 11€
Punkte: 89/100

Das beste zum Schluss, mein Favorit der 2009er Riesling vom Lump ! Intensive Nase nach gelben, reifen Birnen und Quitten. Am Gaumen Pfirsich und Kräuter Aromen, pikante gradlinige Säure. Doch über allem steht unglaubliche Mineralität, als würde man am Meer an einem Stein ablecken. Auch ein wenig Kohlensäure ist noch vorhanden, das wird sich aber bald legen. Bleibt lange haften. Ein Riesling der wach macht.

Alk: 12%
Preis: 11€
Punkte: 91/100

Alle Weine gekauft bei: Lobenbergs Gute Weine