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Dienstag, 22. Januar 2013

Big Boy Amarone

An dieser Stelle möchte ich über ein kleines Amarone Tasting berichten. Oder besser über einen Vergleich zweier Weine aus den gleichen Rebsorten und dem gleichen Anbaugebiet, welche doch sehr verschieden sind. Zunächst: Was ist das Besondere an Amarone ? Der Amarone kommt aus Venetien, genauer Valpolicella und wird aus den dort heimischen Rebsorten Corvina, Rondinella, Molinara und Corvione verschnitten. Nach der Weinernte im Herbst werden die Trauben auf Holzgestellen getrocknet. Erst im nächsten Jahr werden dann die rosinierten Beeren abgepresst. Die Italiener nennen dieses Verfahren Appassimento. Dadurch entsteht ein sehr konzentrierter Rotwein welcher durch die hohe Zuckerkonzentration im Most nach der Gärung meist einen recht hohen Alkoholgehalt aufweist.

Der erste getestete Amarone stammt aus dem Jahr 2006 und ist vom Erzeuger Zenato. Die Trauben für diesen Wein, 80% Corvina, 15% Rondinella und 5% Molinara, wurden 4 Monate getrocknet und dann gepresst. Anschließend reifte der Wein 30 Monate in französischen Barrique-Fässern und nochmals 12 Monate auf der Flasche. In der Nase nach vertrockneten dunklen Beeren und Gewürzen und Roter Beete. Am Gaumen erst extracktsüß, mit starken Tanninen, nach schwarzen Kirschen und etwas Eukalyptus. Beim Abgang sehr komplexund extrem lang, mit der für Amarone typischen Bitternote (Amaro, ital. für: Bitter). Doch leider fällt der hohe Alkohol Gehalt hier unangenehm auf, man bekommt ein heißes Gefühl im Rachen. Wir haben den den Wein am nächsten Tag (also ca 26 Stunden im Dekanter) nochmals nachdegustiert und der Wein wirkte insgesamt runder und der hohe Alkohol war nicht mehr so sehr zu spüren.

Alk: 16,5%
Preis: 32€
Gekauft bei: Vinery Bochum
Punkte: 88/100

Der zweite Amarone kommt aus dem Traditionshaus Tommasi, dessen Geschichte bis ins Jahr 1902 zurück geht. Der 2008er besteht aus 50% Corvina, 15% Corvione, 30% Rondinella und 5% Molinara. 18 Monate in slowenischen Eichenfässern ausgebaut und danach noch 6 Monate auf der Flasche gelagert. In der Nase nach Brombeeren, Vanille und etwas Tabak. Am Gaumen deutlich fruchtbetonter und saftiger als der Zenato, nach Sauerkirschen und Backpflaumen. Auch hier straffe Tannine, doch runder und geschliffener. Toller langer, leicht bitterer Abgang mit weniger Alkoholschärfe.

Alk: 15%
Preis: 39€
Gekauft bei: Vinery Bochum
Punkte: 89/100

Samstag, 13. Oktober 2012

Klassiker aus der Toskana und Geheimtipp aus dem Piemont

Tignanello. Das ist sogar den meisten Nicht-Weintrinkern ein Begriff. Und wenn nicht, dann erkennen viele die Flasche wieder: "Ja der steht bei meinem Lieblingsitaliener in der Vitrine !" Zurecht genießt dieser Wein aus dem Herzen des Chiantis Kultstatus. Der Tignanello der Familie Antinori war bahnbrechend für alle Weine aus der Toskana. Der erste Jahrgang wurde 1970 gekeltert und war der erste in Barrique ausgebaute Sangiovese, der mit nicht traditionellen französischen Rebsorten verschnitten wurde. Auch, dass die Trauben aus nur einem einzelnen Weinberg stammten war damals neu. Die Trauben für diesen ersten Supertoskaner werden von Hand geerntet und ebenfalls per Hand auf Tischen selektiert. Nur bestes Lesegut gelangt in die Presse.
Der Jahr 2006 war optimal für die Tenuta Tignanello: Warme Tage und kalte Nächte im September und Oktober brachten Lesegut in höchster Qualität hervor. In diesem Jahrgang besteht der Tignanello aus 85% Sangiovese, 10% Cabernet Sauvignon und 5% Cabernet Franc und wurde 12 Monate in Barrique Fässern ausgebaut.
In der Nase betörend nach Kirschen, Gewürzen und ein wenig nach Gemüse. (Evtl vom Cabernet Franc) Im Mund ein echtes Brett:  Beim ersten Schluck wird der Gaumen von Sauerkirsch, Cassis und Mokka Aromen geradezu attackiert. Sehr üppig und vollmundig, im wahrsten Sinne. Wirkt aber durch die straffe Säure nicht fett. Noch recht stramme Tannine zeigen das riesen Lagerpotential. Dieser Wein hat seinen Zenit noch längst nicht erreicht. Ich denke 5-8 weitere Jahre Lagerung und es könnte ein 95+ Punkte Wein werden.

Alk: 13,5%
Preis: ca. 55€
Punkte: 92/100

Der nächste Wein ist (noch) ein echter Geheimtipp. Er kommt aus dem Piemont, aus einer nur ca. 15 Hektar großen DOC mit dem Namen Ruche di Castagnole Monferrato. Ruche ist auch die rote Rebsorte aus welcher der "Laccento" zu 100% hergestellt wird.  Diese Traubensorte ergibt einen sehr duftigen und Aromatischen Wein.  Dem 2009er verlieh der renommierte italienische Weinkritiker Luca Maroni 99 von 100 Punkten ! Doch man muss etwas Geduld mitbringen um der wahren Größe und Finesse dieses Weines auf die Spur zu kommen.  Fünf Stunden in der Karaffe braucht der Wein mindestens, damit er anfängt sich zu öffnen. Am besten man öffnet die Flasche bereits einen Tag vorher, denn dann wird man mit einem wirklich faszinierenden Tropfen belohnt.
Beim ersten reinriechen dachte ich direkt an Pinot Noir: Himbeeren, Rosen und auch der Duft von Räucherfleisch und verbranntem Holz schlägt einem entgegen, obwohl dieser Wein komplett im Stahltank ausgebaut wurde und nie ein Holzfass gesehen hat. Am Gaumen unglaublich komplex, leichtfüßig und elegant mit Aromen von roten Waldbeeren. Säure und Alkohol sind bereits perfekt eingebunden, mit Tanninen so seidig wie...ja wie Seide eben ! Der Wein bleibt extrem lange haften und beschert ein großartiges Finish. Dieser Wein der Agricola Montalbera ist leider nicht ganz so leicht zu finden da jährlich nur ca. 8000 Flaschen produziert werden. Doch wenn sich die Chance ergibt, zuschlagen !

Alk: 14,5%
Preis: ca. 20€
Gekauft bei: Kampmann
Punkte: 94+/100

Montag, 25. Juni 2012

Uncorked: 2008er Primitivo di Manduria, Feudi San Marzano

Dieser Primitivo (in den USA auch Zinfandel) stammt aus Apulien von über 60 Jahre alten Rebstöcken. Schon vor dem öffnen macht diese dicke, schwere, fast Magnum gleiche Flasche was her. Der Wein passt perfekt zur Verpackung: Dunkel lila, fast schwarz im Glas. Schwere, fruchtig-satte Nase mit leichten Holzanklängen. Nachdem man dann den ersten Schluck über die Zunge Rollen lässt, weiß man bescheid. Das ist echtes Stierblut ! Dicht, komplex und üppig, mit Tiefe. Die herrliche Extraktsüße und die weichen Tannine machen ihn doch sehr rund und trinkig. Intensive Aromen von Kirschen, Schwarzen Beeren und Tabak. Sechs Monate in französischen Barrique Fässern geben ihm zusätzlich einen dezenten Vanille Flavor. Dieser Wein sorgt am Tisch oft für positive Verwirrung, da viele bei einem Primitivo etwas ganz anders erwarten...

Alk: 14,5%
Preis: 18€
Gekauft bei: Der Franzose Bochum
Punkte: 87/100