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Montag, 27. Oktober 2014

Naturburschen

Natural Wine, Raw Wine, Vin Naturel, Natur Wein...viele neue Namen für eine doch recht alte Bewegung. Klingt erstmal nach Birkenstock tragenden, langhaarigen Hippi Winzern. Die gibt's bestimmt, doch viele der besten "Natur Weinen" kommen von Weingütern mit modernster Austattung und Marketing, denen Biologisch oder Biodynamisch manchmal nicht weit genug geht oder die einfach experimentierfreudig sind. Natural Wines sind nicht zwingend maischevergorene Orange Wines oder Amphoren Zeugs. Meist wird auf ein Gros der Kellertechnick, wie temperaturgesteuerte Gärführung oder ähnliches verzichtet. Spontanvergärung und die Verbannung von Chemie aus Keller und Weinberg ist natürlich Pflicht und filtriert wird selten. Old School eben.  



Ein tolles Beispiel aus Deutschland ist das pfälzer Weingut Odinstal. Hier entstehen nach biodynamischer Herangehensweise, meiner Meinung nach, einige der besten Terroir Rieslinge Deutschlands. Doch Kellermeister Schumann experimentiert auch mit einer Rebsorte, die eher ungewöhnlich ist für die Pfalz, nämlich Silvaner. Diese wächst in einem Versuchsweinberg in "Stufe 1", dass bedeutet in diesem Fall, dass die Reben seid Anfang 2008 nicht mehr beschnitten wurden. Die Fruchtruten wachsen also kreuz und quer zu meterlangen Lianen und die Trauben verteilen sich über die gesammte Laubwand. An ihnen wachsen sehr kleine und lockerbeerige Trauben. Das führt natürlich zu einem extrem hohem Ernteaufwand von über 200 Stunden pro Hektar. Da müsste man eigentlich mit einer Machete rein... Die Trauben werden dann ca. 12 Stunden auf der Maische stehen gelassen um dann nach der Gärung unfiltriert und ungeschwefelt abgefüllt zu werden. Der 2013er Silvaner "Natur" fließt leutchtend gelb-grün und trüb ins Glas. In der Nase erst nach Apfel und Quitte, dazu eine erdige Noten. Mit etwas Luft und Temperatur kommen dann zitrische Aromen von Grapefruit und Pomelo hinzu. Am Gaumen leichtfüßig mit mittlerer Säure und süffigen 11,5 %. Trinkt sich weniger "freaky" als er aussieht. Im Abgang angenehm würzig und Yuzu-mäßig. Steinstark !



Der zweite Wein kommt aus einem Mekka des Vin Naturel, der Süd-West Küste Frankreichs, in diesem Fall das Rousillion. Hier im Örtchen Maury betreibt das Elsässer Winzerehepaar Wies die Domaine de la Petite Baigneuse. Der Wein trägt den Namen "Juste Ciel!" und wird aus den Rebsorten Macabeu, Grenache Blanc und Grenache Gris bereitet. Auch hier mit minimalem Schwefeleinsatz und ohne Filtration und Schönung. Der magere Schieferboden auf dem die Reben wachsen, die Spontanvergärung mit Weinbergs- bzw Kellereigenen Hefen und die ca. vier Jahre Flaschereife sorgen bei diesem außergewöhnlichen Stoff für ein Aromenbild, welches ich bisher so noch nicht mal ansatzweise im Glas hatte. Pilz in allen positiven Fasetten. Fleischig, süßlich nach Dry Age Beef und Edelschimmel Salami. Dazu süßer Gorgonzola und Champignon, aber auch Zitrone und gelbe Blüten. Am Gaumen sehr dicht mit viel Extrakt und Säure, eher saftig und garnicht pilzig wie die Nase. Für mich durch den extremen Geruch etwas anstrengend, dennoch höchst interessant. 
Für mich sind diese Naturbursche vor allem eins: Abwechslung vom oft langweiligen Mainstream. 
Cheers !






 

Samstag, 14. Juni 2014

Don't forget the Ortswein !

Seit dem Jahrgang 2012 ist der Ortswein fester Bestandteil des Klassifizierungsmodels des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. Er bildet nach den VDP Gutsweinen die zweite Stufe der Qualitätspyramide. Meiner Beobachtung nach jedoch, fristet der Ortswein bei vielen Weintrinkern ein Schatten Dasein. Nach dem Motto: Gutswein zum alltäglichen Genuss und einen Einzellagenwein wenn man sich was gönnen möchte. Auch in vielen Gastronomien gibt es den Gutswein im offenen Ausschank und die Großen Gewächse in der Weinkarte. Der Ortswein findet oft nicht statt. Zu unrecht ?

Ich finde schon. Denn im Bereich der Ortsweine gibt es sehr ausdrucksstarke Weine mit Charakter und das oft zu sehr fairen Preisen. Zwei Arten von Ortsweinen haben sich je nach Winzer oder Gemeinde heraus kristallisiert. Zum einen eine Cuveé aus einzelnen Lagen, bei manchen Winzern ausschließlich Große Lagen, mit verschiedenen Bodentypen. Oder einen Terroirwein, welcher sich durch eine einzige Bodenart definiert. Letztere wird immer häufiger unter der Rebsorte groß auf dem Frontetikett dargestellt, der Name der Gemeinde ist dann teilweise nur sehr klein auf dem Rücketikett zu lesen. Das kann beim Verbraucher zu Verwirrung führen, vor allem wenn der VDP.Ortswein-Balken auf der Kapsel fehlt. Diese Markierung unter dem Traubenadler ist nämlich nicht Pflicht. Will man den Verbrauchern, grade im Ausland den Wein Einkauf etwas einfacher zu gestallten, sollte man da mal drüber nachdenken...


Den VDP Ortswein gibt es natürlich bei nicht erst seit 2012. So ist der "Village" auch bei Weingut Schäfer-Fröhlich im Anbaugebiet Nahe seit langem fester Bestandteil. Aus den Lagen rund um die Gemeinde Bockenau holt Winzer Tim Fröhlich seine Trauben für den Bockenauer Riesling trocken. Die Böden sind hier sehr vielfältig und häufig von diversen Schieferarten geprägt. Das merkt man auch, wenn man den 2009er Bockenauer Riesling im Glas hat. In der Nase Pfirsich, Yuzu und etwas Salbei. Am Gaumen vielschichtig und mineralisch, als hätte man ein Spritzer salziges Mineralwasser aus irgend einer Heilquelle mit in den Wein gemischt. Die frühere Lese als bei den Großen Gewächsen, hat den Wein in so einem reifen Jahr jung gehalten. Lebhafte Säure und ein leichter Schmelz sorgen für einen guten Abgang. Das so ein Ortswein Lagerpotential hat und ein echtes Upgrade vom Gutswein sein kann ist hiermit schonmal bewiesen.


Eine Spur teuerer, aber auch noch ausdrucksstärker ist einer der wohl bekanntesten Ortsweine der deutschen Weinlandschaft. Der Westhofener Riesling 2011 von Biodynamie König Philip Wittmann aus Rheinhessen ist eine Cuveé ausschließlich aus Grand Cru Lagen, vor allem aus den Lagen Morstein und Kirchspiel. Im Glas präsentiert sich dieser Wein hell golden. In der Nase expressiv und extrem komplex nach Birne, Mango, roten Äpfeln, süßen gelben Pflaumen und Steinbruch. Am Gaumen. Ist viel Extrakt, saftig, aber elegant. Ein Wein der einigen Großen Gewächsen die Stirn bieten kann...! 



Mit knapp 10 Euro ist der letzte Ortswein deutlich der günstigste im verkosteten Trio. Er stammt aus einer kleinen Gemeinde namens Ungstein bei Bad Dürkheim in der Pfalz. Gekeltert von Jan und Karin Eymael vom Weingut Pfeffingen. Der 2013er Ungsteiner Riesling trocken ist ein Abbild des des kalkigen Bodens in Ungstein, des Weinguts und der Pfalz an sich. Schlank, mineralisch und fein-duftig wie die meisten Weine des Hauses. Am Gaumen viel Pfirsich und etwas als Limette. Jahrgangsbedingt mit straffer, gradliniger Säure. Vielleicht nicht so komplex wie seine Vorgänger und natürlich Blut jung, aber mit ordentlich Zug und Trinkfluss. 

Also: Don't folget the Ortswein !

Bockenauer Riesling 2009, Schäfer-Fröhlich 89/100
Westhofener Riesling 2011, Wittmann 90/100
Ungsteiner Riesling 2013, Pfeffingen 86/100

Mittwoch, 11. Juni 2014

Innereien Weine - Passendes für Kopf und Fuß

Das ein gutes Essen, gepaart mit einem passenden Wein ein einschneidendes kulinarisches Erlebniss seien kann, wird wohl jeder Weinliebhaber unterstreichen. Da gibt es Kombinationen, wie Portwein zu Stilton oder Silvaner zu Spargel... Klassisch, aber langweilig. Aber was trinkt man eigentlich zu Speisen, bei denen sich manch einer zu unrecht angewidert abwendet, Teile von Tieren, von denen viele Menschen sich heute kaum vorstellen können, dass sie überhaupt essbar sind ? Die Rede ist von Innereien. Wir haben uns zwei Traditionsgerichte zur Brust genommen und ein paar gute Tropfen dazu getrunken...



Als erstes einen Französischen Klassiker, Tête de Veau, gebackener Kalbskopf. Keine Angst, man muss für dieses Gericht keinen ganzen Kopf in die Küche schleppen. Den kann man bequem beim Metzger seines Vertrauens küchenfertig bestellen. Dieser lösst die s.g. Kalbsmaske ab, packt Zunge und Bäckchen hinein, rollt das ganze zusammen und bindet es formschön zu einer dicken Wurst. Diese kann man dann mehrere Stunden z.B. in einem Gewürzsud garen. Durch den hohen Anteil an Fett und Gelantine wird die Rolle beim auskühlen fest und man kann sie in Scheiben schneiden, leicht Panieren und in geklärter Butter ausbacken. Dazu geht am besten eine Sauce Gribiche aus Kapern, Estragon, Kerbel, Ei, Gewürzgurken, Essig, Senf und Öl.



Als ersten Partner stellten wir dem Kalbskopf einen deutschen Klassiker an die Seite. Einen 2011er Riesling aus der Lage Forster Pechstein vom Weingut Dr. Bürklin Wolf. Der Wein duftet herrlich nach Pfirsich, Ananas und Sommerwiese, dazu die lagentypische, dezente Rauchnote. Natürlich ist dieser Grand Cru noch sehr jung, doch dem Jahrgang verschuldet, schon sehr präsent. Er bringt genug Konzentration und Säure mit um den fettig, salzig-süßem Kalbskopf Paroli zu bieten, dazu sorgt die ausgeprägte Mineralität für ordentlich Zug. Ein Traum ! Nur mit der Gribiche muss er etwas kämpfen. 



Damit hat der zweite Wein überhaupt kein Problem. Tief golden fließt er in Glas und zieht lange Tränen an der Glaswand. In der Nase nach Aprikosen und Birnen, aber auch nach Honig, Karamell, frisch geschlagenem Holz, Bergamotte und etwas Uhu. Extrem tief und komplex auch am Gaumen. Mundfüllend und kräftig, aber nicht fett, mit präziser Säure und erdiger Mineralität. Sogar Gerbstoffe sind zu spüren. Der Wein heißt "Clos de la Bergerie" und ist ein Chenin Blanc von der Loire und stammt von keinem geringeren als Nicolas Joly, dem unbestrittenem König des Biodynamischen Weinbaus. Joly erntet seine Trauben in 4-5 Lesedurchgängen um ausschließlich reifes, oft edelfaules Material zu erhalten. Das ergibt intensive Elixiere die durch den Ausbau in 500l Fässern noch mehr Fassetten hinzu bekommen. Als Speisenbegleiter zeigt dieser "Narurwein" dann endgültig sein volles Potential und wird weicher und bekommt Trinkfluss. Die 15% Alkohol verschwinden quasi in Kombination mit dem deftigen Tête de Veau. Ein höchst interessantes Wein Erlebniss !



In der zweiten Runde ging es dann kulinarisch nach Italien, genauer gesagt in die Emilia Romagna. Auf unseren Tellern: Zampone di Modena, mit Fleisch aus Schulter, Bauch und Haxe gefüllter Schweinefuß mit Balsamico Linsen. Auch Zampone kann man küchenfertig und eingeschweißt beim Italienischen Feinkosthändler ab 10 € kaufen. Man muss ihn dann nur noch in Brühe ca. 40 min garziehen. Weintechnisch ging es in den roten Bereich. Hier kam der Gewinner überraschender Weise aus Deutschland. Aber der beste Begleiter zum Schweinefuß war kein Spätburgunder, sondern ein Württembergergischer Lemberger, welche by the Way die gleiche Rebsorte ist, wie der im Moment sehr angesagte österreichische Blaufränksich. 



Unser Exemplar kommt vom Weingut Dautel, wo der junge Christian Dautel vor einigen Jahres das Zepter von seinem Vater Ernst übernommen hat. Seine Spezialität sind konzentrierte, lagerfähige und im Holz ausgebaute Lemberger, wie das 2010er Große Gewächs aus der Lage St. Michaelsfeder. Er besitzt eine süße Kirschfrucht, Brombeere, etwas Kakau und würzige Noten von 22 Monate im Barrique, durchzogen von feinem Tannin. Der Wein hat genug Bumms für die speckig-deftigen Aromen vom Zampone, aber auch genug Frucht für die Balsamico Linsen. 



Fazit: Es muss nicht immer Filet sein ! #KalbsKopfKlub

2011 Riesling G.C. Pechstein, Dr. Bürklin-Wolf 93/100
2009 Chenin Blanc "Clos de la Bergerei", Nicolas Joly 91+/100
2010 Lemberger GG St. Michaelsfeder, Weingut Dautel 90/100

 

Mittwoch, 7. Mai 2014

Blindflug mit Riesling-Highlights

Die Sommelier Prüfung rückt immer näher, also heißt es üben. Das bedeutet viele Bücher wälzen und auswendig lernen, aber auch Sensorik, sprich Verkostungstraining. Das geht am besten mit einem Blindtasting. Doch alleine ist das eher schwierig, wenn man absolut keine Ahnung haben will, was man da im Glas hat. Also braucht man ein paar andere Weinverrückte, die Lust auf einen Abend voll Schwenken, Schnüffeln, Raten und ja, auch Trinken haben. Solche findet man zu Hauf im Bochumer Weinklub Porto Bocho. Wie den Klub Präsidenten Christian und seinen Bruder Patric. Wenn man dann noch ein paar passende kulinarische Schmankerl auf den Tisch stellt, kann das ein lehrreicher, unvergesslicher Abend werden...




Als erstes gab es einen gereiften Süßwein, denn es kam Foir Gras auf den Tisch. Ich hatte einen Tag zuvor eine Entenstopfleberterrine mit Backpflaumen und Entenbrust zubereitet. (Ja sie  schmeckte so gut wie sie aussah.) Als kongenialer Partner, eine Riesling Beerenauslese aus der Lage Deidesheimer Kalkofen, Jahrgang 1998 vom pfälzer Weingut Dr. Deinhard, welches heute zum Weingut Von Winning gehört. Kupferfarbend und ölig fließt der Wein ins Glas, betörend der Duft von getrockneten Aprikosen, Honig und gebrannten Mandeln. Am Gaumen mit präsenter Säure, kleidet sofort dem gesammten Mundraum aus und bleibt ewig. Die Dr. Deinhard Linie, bestehend aus im Stahltank ausgebauten Weinen von trocken bis edelsüß gibt es auch heute noch. Sie grenzt sich von den immer trockenen und meist im Holzfass Ausgebauten Von Winning Weinen ab und ist preislich sehr fair.



Der Wein des Abends stammt, nur wenige Kilometer vom oben genannten, aus dem Ort Forst nahe der Mittelhardt. Genauer aus der Toplage Kirchenstück. Ein wilder Mix aus allen möglich Bödenarten wie Bundsandstein, Basalt, Ton und Kalk und die wärmespeichernden Gebäude und Mauern aus Sandstein, welche die Lage umfrieden, bieten dem Riesling hier beste Bedingungen. Ein Weingut, welches jedes Jahr hervorragenden Wein aus den Trauben dieser Lage keltert, ist das Weingut Dr. Bürklin-Wolf. So auch im Jahr 1989, in diesem Fall eine Spätlese. Der Wein strahlt altgolden, in der Nase zuerst etwas nach nassem Keller, doch tritt dieser Ton mit Luftzufuhr immer weiter in den Hintergrund und macht Platz für Noten von Zitronenschale, goldenen Äpfeln und Kamille, später reife Ananas und Kräuter. Am Gaumen ist der Wein extrem saftig und vielschichtig, die Restsüße ist rudimentär, der Wein schmeckt quasi trocken. Die Säure ist verspielt und pfeift auf die 25 Jahre, die dieser Oldie auf dem Buckel hat. Spannend ! Der Wein verändert sich im Glas im Minutentakt...



Nach extrem leckerer Bolognese aus Schweinenacken, Lammschulter und Kalbsbeinscheiben von Gastgeber Patric und einigen erstklassigen Rotweinen kam es wie es kommen musste: Käse ! Dazu natürlich was Süßes. Wieder Riesling, diesmal 2005er von der Saar. Scharzhofberg die Lage. Roman Niewodniczanski der Winzer, Auslese das Prädikat... Da muss man nicht viel mehr sagen. Würdiges Ende für einen wahnsinns Abend !



Danke Pat für die Fotos !

1998 Riesling BA, Deidesheimer Kalkofen, Weingut Dr. Deinhard 94/100
1989 Riesling SL, Forster Kirchenstück, Weingut Dr. Bürklin-Wolf 96/100
2005 Riesling AL, Scharzhofberg, Weingut Van Volxem 90/100



Dienstag, 8. April 2014

Erkenntnisse eines Weinabends in Wattenscheid-Höntrop

1. Man sollte mehr deutschen Winzersekt, wie den Cuveé S von Chat Sauvage trinken.
Zum einen, weil man für vergleichbare Jahrgangs Champagner gut und gerne das Doppelte bis Dreifache hinblättern muss. Zum anderen, weil der Stoff einfach der Hammer ist ! Dass, das noch junge Weingut Chat Sauvage im Rheingau herrliche Chardonnays und Pinot Noirs im Burgunderstil bereitet, sollte spätestens nach der Gault & Millau Auszeichnung "Aufsteiger des Jahres 2013" bekannt sein. Doch auch Sekt ist im Portfolio. Der 2009er Cuveé S ist ein Blanc de Blanc, also zu 100% aus der Chardonnay Traube. Eine Versand-Dosage, um den Zuckergehalt nach der zweiten Gärung einzustellen, hat dieser Sekt so gut wie garnicht erhalten, denn die Geschmacksangabe ist Brut Natur. Das heißt in Zahlen, der Zuckergehalt liegt bei 0-3 Gramm pro Liter. Stört das ? Ganz im Gegenteil. Der fehlende Zucker, macht Platz für intensive Mineralität und lässt den Wein sehr animierend wirken. Die lange Zeit auf der Hefe und reifes Lesegut sorgen für Fülle, Schmelz und eine sehr feine Perlage. Leer in Rekordzeit !



2. Weiße Burgunder halten nicht ewig. 
Aber wenn man mal ein gut gereiftes, lebendiges Exemplar im Glas hat, kann das ein großes Vergnügen sein. Nachdem wir einen Meursault und einen Mercurey von Oliver Leflaive, beide aus dem Jahr 1995, leider zu den Kochweinen beerdigen mussten, rettete ein 1995er Meursault aus dem Hause Joseph Drouhin die Ehre der weißen Village Weine der Côte D'Or. In der Nase nach Karamell, getrockneten Aprikosen und Apfelkuchen. Am Gaumen lebendig und elegant. Die fast 20 Jahre der Reifung hat Säure, Frucht und Holz perfekt harmonisiert. Ein Wein der im Gedächniss bleibt...



3. Reifer Gewürztraminer mit Restsüße passen hervorragend zu reifem Käse.
Auf dem Teller ein Traum aus kontrolliert verschimmelter Rohmilch: Bleu d'Auvergne, Triple Creme, Chevre de Loire, uralter Gauda, Cru Lait Brie... Käseporno eben. Dazu gibt es an diesem fortgeschrittenen Abend alten, restsüßen Gewürztraminer aus Deutschland. Eine Rebsorte die zwischen den ganzen hippen Rebsorten wie Riesling oder Sauvignon Blanc leider extrem wenig Aufmerksamkeit erfährt. Zwar fehlt es ihr ein wenig an Säure, doch das macht sie durch ihr unglaubliches Aroma wieder wett. Der erste Gewürztraminer ist eine Spätlese aus der Pfalz, aus der Lage Kallstadter Steinacker vom Weingut Koehler-Ruprecht, Jahrgang 2002. In der Nase sehr sortentypisch: Lychee, leicht verwelkte Rosen und Muskat. Im Mund eher breit, würzig mit rudimentärer Restsüße. Die zweite Aromabombe ist ein 1999er Gewürztraminer Auslese von Hans Lang aus dem Rheingau. Ganz anders als der Vorgänger. In der Nase nach Orangen und Zitronenschale, dazu Holunderblüte. Am Gaumen deutlich schlanker und mineralischer. Mehr Trinkfluss. Beide werden sehr gut mit den teilweise heftigen Aromen der verschiedenen Käsen fertig. Echter Gaumentango ! Nur der Blauschimmelkäse schreit nach mehr Zucker und Alkohol...





Danke Jungs für den super Abend !

Cuveé S, Chat Sauvage, Rheingau 90/100
Meursault, Joseph Drouhin, Burgund 92/100
Gewürztraminer Spätlese, Steinacker, Koehler-Ruprecht, Pfalz 86/100
Gewürztraminer Auslese, Hans Lang, Rheingau 88/100

Mittwoch, 26. März 2014

Big in Japan - Magnums im Weinklub

Porto Bocho. Das ist der Name, des Ende letzten Jahres gegründeten ersten Weinklubs in Bochum. Das Konzept: Ein bunter Haufen Weinverrückter trifft sich regelmäßig, um dem besten Getränk der Welt in geselliger Runde zu huldigen. Man läd Sommeliers oder Winzer ein, die locker durch den Abend führen oder veranstaltet Mitbring-Abende unter bestimmten Mottos. In Hamburg oder Berlin nichts neues, doch im weintechnisch mittelalterlichen Ruhrgebiet in dieser Form ein echtes Novum. Als ich davon erfuhr, war schnell klar: Ein Weinklub vor meiner Haustür, ohne mich ? Is nich ! Da ich einige Mitglieder bereits kannte, fragte ich mich schnell zu oberster Stelle, dem Präsidenten des Klubs, Christian Farago durch. Der lud mich auch prompt zum nächsten Klubtreffen zum beschnuppern ein. Durch den Abend sollte eine Hamburger Sommeliere mit Hilfe einiger fetter Bordeaux führen.




Doch es kam anders... Die Sommeliere sagte einige Wochen vorher leider ab. Doch wie der Zufall will schrieb ich zuvor Christian, dass ich noch einige gereifte Rieslinge in Magnum Flaschen im Keller hätte und gerne einen Abend mit passendem Asia Food machen würde. Er war direkt begeistert und fragte mich ob ich nicht einspringen könnte um so den nächsten Weinklub Abend zu gestallten. 



So kam es, dass sich am 21. März sechzehn weindurstige Herren im Cross-Asia Restaurant Tapasia in Bochum einfanden, um Rieslinge aus 1,5 Liter Flaschen aus den Jahren 1995 bis 2009 zu genießen. Kulinarisch perfekt begleitet von meinem guten Freund und Küchenchef des Tapasia, Marvin Amada. Los ging es nach ein paar einleitenden Worten, mit dem Riesling Sekt "Brut 1900" vom Weingut Van Volxem zu Sushi vom Lachs. Erste großartige Kombination, der noch viele weitere Folgen sollten. 
Eine echte Überraschung war für mich die 2007er Spätlese trocken aus der Lage Volkacher Ratsherr vom Weingut Zur Schwane. Geschützt vom Spessart, ist der Ratsherr eine der trockensten und wärmsten Lagen Frankens. Hier wächst der Riesling auf Muschelkalk Böden mit Lehmauflage, und bringt einen üppigen Wein mit stark mineralischen, fast salzigen Anklängen hervor. So auch der 2007er. Dieser duftet dekadent nach gelbem Steinobst und Quitte. Am Gaumen saftig und mit viel Zug, wird er spielend leicht mit den intensiven Aromen des Currys fertig.
Ein weiteres Highlight war für mich der auch aus 2007 stammende Wachenheimer Böhlig P.C. vom Pfälzer Weingut Dr.Bürklin-Wolf. Obwohl die Lage vom Buntsandstein geprägt ist, besitzt der Wein eine deutliche Feuerstein Note wie man sie eher von einem Sancerre vom Silex kennt. Am Gaumen dann die typische satte Pfirsich Frucht, etwas heller Tabak und zu allem Überfluss ist der Wein mit einer fast unverschämten Länge ausgestattet. Dazu ein auf den Punkt gegrilltes Tuna Steak. Hammer !



Abgeschlossen wurde dann spät Abends mit süßen Reisbällchen mit Mango und dazu eine 1995er Auslese vom Eitelsbacher Karthäuserhofberg... Was will man mehr ? Wahnsinns Weine, nette Menschen, super Abend. Danke ! Den Klubmitgliedern scheint es auch gefallen, da ich noch am selben Abend aufgenommen worden bin...



2007er Riesling Spätlese trocken, Volkacher Ratsherr, Weingut zur Schwane 91/100
2007er Riesling P.C. Wachenheimer Böhlig, Dr. Bürklin-Wolf 92/100



Donnerstag, 27. Februar 2014

Bericht aus der Pfalz Teil 2


Nach unserem Besuch auf dem Weingut Pfeffingen, knurrte mächtig der Magen. Also fuhren wir die Deutsche Weinstraße gen Süden nach Deidesheim. Dort sind nicht nur einige der Besten Weingüter Deutschlands beheimatet, sondern auch ein paar sehr gute Restaurant. Eines davon ist der alt-ehrwürdige Deidesheimer Hof, wo schon Altkanzler Kohl regelmäßig seinen Pfälzer Saumagen genoss. Und ich verstehe jetzt auch warum. Herrliches Gericht ! 



Frisch gestärkt ging's eine Straße weiter, zum Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan. Gegründet im Jahr 1718 von der französische Familie Jordan, ist es heute ohne Zweifel eines der wichtigsten Weingüter der Pfalz. Die 49 Hektar Rebland des Gutes beinhalten zwanzig Einzellagen, darunter über ein Drittel Spitzenlagen. Vertriebsleiter Sebastian Wandt zeigte uns einen Querschnitt durch die extrem starke und sehr umfangreiche Kollektion des Hauses. Die Ortsrieslinge aus Forst, Ruppertsberg und Deidesheim sind allesamt klar, rassig und deuten schon das Potential der Lagen an. Auch die S-Serie mit Weinen aus Chardonnay, Weisburgunder und  Sauvignon Blanc sind komplex, mit dezentem Schmelz und zeigen, dass Kellermeister Herr Mell auch ein Händchen für Holz hat. Doch mein persönlicher Favorit war nicht etwa einer der Großen Gewächse (welche großartig sind), sondern der 2012er Riesling "Auf der Mauer". Die Trauben für diesen Wein kommen von den biodynamisch bewirtschaftet Lagen, Grainhübel, Kalkofen und Hohenmorgen und zwar von den Parzellen, die direkt über der Sandsteinmauer liegen, welche die Weinberge vom Ortsrand abgrenzt. Der "Auf der Mauer" ist schon relativ zugänglich und der sandige Lehmboden mit viel Buntsandstein verleiht ihm eine saftig-üppige Fruchtigkeit. In der Nase exotisch nach Ananas, aber auch viel gelbem Steinobst. Am Gaumen noch mit etwas Kohlensäure, tolles Spiel, saftige Säure und viel Druck. Unglaublicher Trinkfluss !  
(90/100)


Danach fuhren wir nach Kindenheim, in den Norden der Pfalz, zum Weingut Ludi Neiss. Winzer Axel Neiss erwartete uns bereits und wollte uns gerne sein neuestes Baby zeigen. Seine nagelneue Kellerei. Da es im heimischen Weingut über die Jahre doch etwas zu eng geworden war, investierte Familie Neiss in die Zukunft und ließ sich wenige Fußminuten entfernt von ihrem Zuhause eine hochmoderne, großzügige Kelleranlage bauen. Auf die Frage, "Warum jetzt?", antwortete Axel Neiss: "Ich bin jetzt Anfang vierzig, da hat man genug Berufserfahrung, um keinen Mist zu bauen, aber noch genug Zeit um damit Spaß zu haben !" Macht Sinn. 


Mit schummriger Kellerromantik hat dieser Bau natürlich wenig zu tun. Funktionalität steht im Vordergrund. So ist steht das Gebäude an einem kleinen Hang, mit der Traubenannahme am höchsten Punkt, um im späteren Verlauf dem Wein unnötige Pumpvorgänge zu ersparen. Dazu kommt eine große Phalanx von Temperatur gesteuerten Edelstahl-Tanks, aber auch ein imposanter Barrique Keller. Stolz erzählt Axel Neiss, dass auch schon einige Winzer aus anderen Regionen da waren, um sich seinen neuen Keller anzuschauen. 


Abends trafen wir uns dann mit Axel Neiss zum Dinner im Weinhof Henninger in Kallstadt, wo wir auch übernachteten. Zu den perfekt zubereiteten pfälzer Speisen, genossen wir Axels mitgebrachten Weine. Ich habe mir während des Essens leider keine Notizen gemacht, doch sind mir speziell zwei Weine sehr positiv in Erinnerung geblieben. Zum einen der noch sehr junge Riesling vom Burgweg. Noch etwas verspielt, aber schon mit Tiefe und kalkiger Mineralität. Zum anderen der Syrah aus der Lage Katzenstein. Ja Syrah aus der Pfalz ! Kein dickes Ding wie australischer Shiraz, sondern eher schlank, mit präsenter, aber reifer Säure. Dazu pfeffrig mit feinem Tannin. Wirklich gelungen ! Danke für den schönen Abend !

Ich glaube Axel Neiss hat alle Weichen für eine rosige Zukunft gestellt: Moderne Kellerei, Top Rebanlagen, welche auch die evtl. Klimaerwärmung vertragen und nicht zuletzt drei Söhne in den Startlöchern...





2012 Riesling "Auf der Mauer" , Weingut Bassermann Jordan 90/100
2012 Riesling Burgweg, Weingut L. Neiss 88/100
2011 Syrah Katzenstein, Weingut L. Neiss 89/100









Mittwoch, 26. Februar 2014

Bericht aus der Pfalz Teil 1

 Wenn man ein Wein Nerd ist und deutschen Wein besonders mag, kommt man seid einigen Jahren an der Pfalz nicht vorbei. Natürlich wurde hier schon vor Hunderten von Jahren Weinbau betrieben, doch was in den letzten 10 bis 15 Jahren in qualitativer Hinsicht passiert ist, ist enorm. Auch die Menge stimmt um international mitzuhalten, denn die Pfalz ist mit ca. 23.000 ha das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands. Dazu kommen viele innovative oder sogar visionäre Köpfe, wie der leider verstorbene Achim Niederberger, welcher in seine Vision der "Weinhauptstadt" Deidesheim viel Geld und Passion investierte, was die Region sicher nachhaltig beeinflussen wird. Oder Marketing Genies wie Markus Schneider aus Ellerstadt, welcher mit seinen modernen Etiketten und verrückten Weinnamen für Furorore sorgte und so die Pfalz als progressives Weinanbaugebiet mit prägt. 

Doch anfangen möchte ich mit einem Traditionsweingut was Jahr für Jahr Top Qualitäten auf die Flasche bringt, sich aber auch immer weiter entwickelt und Neuerungen stets offen gegenüber steht. Weingut Pfeffingen, oder genauer, dass VDP Weingut Pfeffingen Fuhrmann-Eymael, liegt im Örtchen Ungstein, direkt bei Bad Dürkheim. Da einer der Besitzer meines Lehrbetriebes gebürtig aus der Pfalz kommt, habe ich die Basis-Rieslinge und Scheureben des Hauses schon früh kennen und lieben gelernt, da diese stets auf unserer Weinkarte waren. Also fragte ich meinen Weinhändler, ob er nicht Lust hätte das Weingut mit mir zu besuchen, um sich selbst ein Bild von den Weinen zu machen. 

Und hier sind wir. Dienstag, 10.00 Uhr. Es ist kühl, aber sonnig und dank des kaum vorhandenen Winters blühen die Kirschbäume bereits. Karin Eymael steht schon im Hof und erwartet uns. Ihr Ehemann Jan Eymael, mit dem sie das Weingut gemeinsam leitet, ist grad außer Haus. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung, lassen wir die Jacken direkt an und fahren mit der Winzerin in die Weinberge. Hier zeigt sie uns die beiden Große Gewächs Lagen für Riesling, den Weilberg und Herrenberg. Die eine von Kalkstein geprägt, die andere von viel Eisenoxyd, Lehm und Kalk, die "Terra Rossa". Ein in der Deutschland einzigartiger Bodentyp. Auch ein Spätburgunder GG sei in Planung, erzählt Frau Eymael nicht ohne Stolz. Danach ging es noch durchs Weingut, über den Hof mit den für die Pfalz fast typische Kübeln mit Olivenbäumen, Palmen oder Oleander, durch den Keller, bis wir am Ende in einer urig-gemütlichen Probierstube Platz nehmen. Man merkt überall, das dieses Weingut eng mit Tradition und Familie verbunden ist. Der Opa schaut neugierig nach dem Rechten, die Schwiegermutter bringt etwas Brot und fragt nach unserem Befinden. Doch bei aller Tradition betont Karin Eymael, wie wichtig auch Innovation für ein Topweingut wie Pfeffingen ist. So wurde vor einigen Jahren die Etiketten komplett überarbeitet und das Einhorn aus dem alten Wappen prangt nun in modernem Gewand auf den Flaschen. Man muss halt immer dranbleiben. 

Bei den durch die Bank gelungen Weinen aus Weißburgunder, Gewürztraminer, etwas Silvaner, Chardonnay und mittlerweile hervorragendem Spätburgunder, möchte ich mich auf die Aushängeschilder Riesling und Scheurebe beschränken. Die 2012er Rieslinge GG präsentieren sich natürlich noch sehr jung, machen aber schon Spaß: Beide eher leise und fein duftig nach Pfirsich. Der Herrenberg ist am Gaumen stahlig, dicht, gradlinig mit enorm viel Druck durch straffe Säure und kalkige Salzigkeit. Der Weilberg hingegen ist etwas weicher und zugänglicher. Mit Noten von Äpfeln und Kräutern. Beide mit guter Länge. Dann gab es noch ein gereiftes Großes Gewächs aus dem Mardelskopf (eine besonders geschützte Parzelle des Herrenbergs) aus dem Jahrgang 2005 zu probieren. Im Glas immer noch mit grünen Reflexen, was auf weiteres Lagerpotential hindeutet. In der Nase nach reifem Weinbergspfirsich, Honig und gelben Blüten. Am Gaumen mit tollem, fast jugendlichem Säurespiel und perfekter Balance. Großartig ! 

Nun zu einer meiner Lieblings Rebsorten, welche beim Weingut Pfeffingen eine echte Sonderstellung einnimmt. Die Scheurebe. Hier steht sie gleichwertig mit Riesling in den Spitzenlagen der Gutes. Daher produzieren die Eymaels auch quasi ein Großes Gewächs aus dieser Rebsorte, welches aber SP (Selektion Pfeffingen) heißt, da die Scheurebe für ein GG nicht zugelassen ist. Die 2012er SP duftet nach Grapefruit und Johannisbeerblättern, dazu nach frisch geschnittenen Weidezweigen. Am Gaumen hoch komplex, wieder Grapefruit. Dazu der herrliche Schmelz vom Fassausbau. Die 13 % Alkohol merkt man so gut wie garnicht. Mit Sicherheit eine der besten trockenen Scheureben Deutschlands.  
Zum Abschluss zaubert Karin Eymael noch ein flüssiges Dessert hervor. Eine 2008er Scheurebe Trockenbeerenauslese aus dem Herrenberg. Sie fließt wie Öl ins Glas und leuchtet in sattem Altgold. In der Nase erst ein bisschen nach Klarlack, was von der extremen Konzentration an Frucht-Esthern kommt. Doch mit etwas Luft verschwindet dieser Ton und macht Platz für Rum Rosinen, Haselnuss, Cassislikör und getrockneten Aprikosen. Am Gaumen wieder Aprikose, dazu massig kandierte Grapefruit, kleidet den ganzen Mund aus. Minuten langes Finish. 

Ein dickes Dankeschön an Karin Eymael !

2012 Riesling GG Herrenberg 91+/100
2012 Riesling GG Weilberg 91/100
2005 Riesling GG Mardelskopf 94/100
2012 Scheurebe SP 92/100
2008 Scheurebe TBA Herrenberg 94/100 


Donnerstag, 6. Februar 2014

VDP. Große Gewächse Tour

Ein knappes halbes Jahr ist es nun her, dass die Großen Gewächse auf den Markt bekommen sind. Grund genug für den Verband Deutscher Prädikatsweingüter damit auf Tour zu gehen, aber nicht alle auf einmal, dass würde den Rahmen sprengen. Also wird brav nach Anbaugebieten aufgeteilt. Am vergangenen Sonntag waren die Weinbauregionen Nahe, Pfalz, Mosel, Rheinhessen und Ahr auf Tour Stop im alt-ehrwürdigen Exelsior Hotel Ernst direkt am Kölner Dom. Das hieß natürlich Riesling ohne Ende und etwas Spätburgunder...



Kurze Begriffserklärung: Das Große Gewächs bildet die Spitze der Qualitätspyramide des VDP im trockenen Bereich. Die Trauben für diese Weine müssen aus einer, als Große Lage klassifizierten Weinbergslage stammen, der Etrag darf bei maximal 50 hl pro Hektar liegen und Handlese ist Pflicht. Die weißen Großen Gewächse dürfen frühestens am 1. September des Folgejahres auf den Markt gebracht werden, die Rotweine ein Jahr später. 

Ich möchte hier jetzt nicht von den vielen 2012ern berichten die ich verkostet habe, da diese eigentlich alle noch mindestens ein Jahr im Keller reifen sollten um evtuelle Kinderkrankheiten abzulegen und sich aromatisch etwas zu öffnen. Doch ein Ausnahme möchte ich machen, denn der 2012er Riesling aus der Lage Norheimer Dellchen vom Weingut Dönnhoff in Oberhausen an der Nahe hat es mir echt angetan. Sehr interessante Aromen von süßen Birnen, Johannisbeer Blättern und weißen Blüten. Am Gaumen salzig, würzig, verspielt und in nahezu perfekter Balance. Der Nachhall will garnicht verschwinden. Ein Wein mit unglaublich viel Charme !

Einige Winzer hatten aber auch ein paar reife Exemplare ihrer Großen Gewächse im Gepäck um den Anwesenden einen wagen Blick in die Zukunft zu gewähren. So auch einer der besten und umstrittensten Kellermeister Deutschlands, Stephan Attmann vom pfälzer Weingut Von Winningen. Umstritten, weil er alle seine Rielsinge im Holzfass ausbaut und das unnachahmlich. So auch sein 2010er Rielsing GG aus einer meiner Lieblingslagen, dem Forster Pechstein. Unbeschreiblich anders, höchsten mit den besten Weißen Burgundern zu vergleichen, aber eben doch eigenständig und unverkennbar Riesling. Die Nase dezent nach karamellisierten Pfirsichen und Steinen die am Vorabend als Lagerfeuerumtandung gedient haben. Am Gaumen ist die Frucht deutlich wahrzunehmen, doch wird sie durch elegantes Holz-MakeUp perfektioniert. Dazu die dunkle Mineralität des Pechstein...Wein-Porno !

Zuletz darf ich den 2008er Riesling GG aus der Lage Reiterpfad vom Weingut A. Christmann aus der pfälzer Gemeinde Gimmeldingen nicht unerwähnt lassen. Herrlich duftig, nach Kumquats, Weinbergpfirsich und Mandeln, dazu etwas Honig. Am Gaumen kommt der kalkige Boden durch, dazu grazile Säure und exotische Frucht. Ein Klassiker. Cheers !

2012 Riesling GG Dellchen, Dönnhoff 93/100
2010 Riesling GG Pechstein, Von Winningen 95/100
2008 Riesling GG Reiterpfad, A. Christmann 91/100



Mittwoch, 3. Juli 2013

Drink Pink


Man hat es in Deutschland schon nicht einfach, also wettertechnisch. Wenn man hier in Sommerstimmung kommen will, muss man quasi allzeit bereit sein und jeden sonnigen Moment ausnutzen, sei er noch so kurz. Das ist harte Arbeit...

Ich mache das so: Sobald sich die Gelegenheit ergibt, sofort Freunde anrufen, Karton mit Gläsern unter den Arm und den immer bereiten, gekühlten Sommerwein (abgelutschtes Wort, ich weiß) einpacken und ab auf den Balkon oder in den Park oder sonst wo nach draußen, quatschen und saufen ! 

Ein Wein, der sich für so eine Mission als eine gute Waffe gegen den Bad-Weather-Blues herausgestellt hat, ist der 2012er "Philipp's Rosè" von Winzer Philipp Kuhn. Rund um das Pfälzer VDP Weingut Kuhn im Laumerheim gedeihen nicht nur einheimische Rebsorten wie Spätburgunder, Blaufränksich und St. Laurent, sondern auch internationale Traubensorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot. Alle Fünf befinden sich in der Cuveé für diesen Rosé und die Mischung stimmt: In der Nase fruchtig nach roten Johannisbeeren und Waldfrüchten. Am Gaumen extrem erfrischend, mit viel Säure. Da drückt der Jahrgang seinen Stempel auf. Dazu kommt nich eine dezente, jugentliche Kohlensäure die den Wein noch spritziger macht. Aromen von Nektarine und kräuteriger Anklänge kommen hinzu. Am Ende ordentlich Sauerkirsche. So macht Rosé trinken Spass ! Kein Bonbon Wasser sonder schön trocken (3g/l Restzucker).

Also Männer nicht schämen, sondern trinken. Oder um es mit den Worten von Winzer Charles Smith zu sagen: "You can drink Rosé and still be badass !"

Alk: 12%
Preis: 8,50 €
Punkte: 87/100



Freitag, 14. Juni 2013

Sommer Wein

Sommerwein. In der Rebsaft-Branche einer der breitgetretensten Begriffe übergaupt. Noch mehr als Kaminwein oder Spargelwein. Meistens spritzige, oft flache Weine mit wenig Alkohol, die in der Sommerzeit überall zu Dumping Preisen angeboten werden. Die meisten Konsumenten interessiert das nicht, Hauptsache eiskalt und rein. Doch was macht einen wirklich guten Sommerwein aus ? 

Welche Kriterien muss einer guter Sommerwein erfüllen ? Am wichtigsten sind für mich eine knackige, erfrischende Säure und guter Trinkfluss, denn der Wein sollte auch als Durstlöscher herhalten können. Super komplex und fordernd sollte er dabei nicht sein, doch sollte er auch nie langweilig wirken. Federleicht ist auch nicht zwingen nötig. Klar eine 15 Prozent Chardonnay Holzbombe aus Kalifornien will am Pool niemand trinken. Doch ein bisschen Substanz hilft dem Wein beim BBQ nicht gleich einzuknicken und seien wir ehrlich, die Sommer in unserem Land fallen doch eher nicht so heiß aus. 
Auch der Preis spielt natürlich eine Rolle, denn an einem warmen Sommerabend mit Freunden werden schnell mal ein paar Kisten vernichtet...bei mir zumindest. 

Eine Rebsorte die solche Weine hervor bringen kann ist die Scheurebe. Wenn sie vom Winzer ernst genommen wird, erbringt sie frische Weine mit exotischer Frucht und kann den Boden ins Glas transportieren. Ein wahrer Spezialist in Sachen Scheurebe ist das Weingut Pfeffingen in der Pfalz und das nicht nur im Restsüßen Bereich sondern auch im trockenen. Hier ist die Scheurebe hinter dem Riesling wichtigste Rebsorte und wächst neben ihm auf den besten Ungesteiner Lagen.  

Einer meiner Lieblings "Sommerweine" ist der 2011er Ungesteiner Scheurebe trocken von Pfeffingen. Aber ich trinke ihn auch im Herbst und im Winter...ach ja und im Frühling auch. Die Nase allein ist schon den Kauf wert: Kiwi, Limettenschale, Mandarine und Schulkreide. Am Gaumen mit gradliniger, pikanter Säure, extrem erfrischend dazu Aromen von Grapefruit und Stachelbeeren und grüne Noten die an gegrillte Piementos de Padron erinnern. Alles wird getragen von kalkiger Mineralität. Unglaublicher Trinkfluss. Den 2012er Jahrgang habe ich auch schon verkostet und da wird's noch frischer...

Alk: 13%
Preis: 10€
Punkte: 88/100





Donnerstag, 16. Mai 2013

Koehler-Ruprecht...A German Legend

Irgendwie umgibt die Weine von Koehler-Ruprecht immer etwas besonderes. Das Etikett ist seit Jahrzehnten unverändert (warum auch) und komischerweise sehen die Flaschen immer alt aus, egal ob man eine Flasche aus den 90ern in der Hand hält oder den aktuellen Jahrgang. Auch der Inhalt ist alles andere als gewöhnlich. Nur handselektiertes, perfektes Traubenmaterial, Gärung im Holzfass und langes Lagern auf der Hefe, machen die Weine von Winzer Philippi so einzigartig. In der Jugend oft verschlossen, entwickeln vorallem die Rieslinge mit der Zeit eine ungeahnte Aromenvielfallt. Auch sagt man den Weinen von Koehler Ruprecht teilweise unkonstante Qualität nach, aber so ist das eben wenn man so konsequent traditionell und arbeitet wie der Gambling Man Philippi.

Aus den drei Lagen Annaberg, Steinacker und Saumagen um das Pfälzer Dorf Kallstadt stammen Chardonnay, Gewürztraminer, etwas Pinot Noir und Riesling. Einen dieser Rieslinge hatte ich in letzter Zeit häufiger im Glas und zwar den 2009er Kabinett trocken aus der "Grand Cru" Lage Saumagen, quasi der Basisriesling des Hauses. Ein Wein der wirklich fordert, da er sich im Glas ständig zu verändern scheint. In der Nase erst nach exotischen Früchten, dann Lavendel und etwas Thai-Basilikum. Am Gaumen dann reif und üppig, goldenen Äpfel, Ananas und Mandarinenschale alles fein und elegant mit der lagentypischen Mineralik unterlegt. Ausgestattet mit viel Länge und Potential für weitere Jahre. 


Durch Zufall bekam ich zu meiner großen Freude noch eine Flasche 2002er Gewürztraminer Spätlese  aus der Lage Kallstadter Steinacker in die Hände, die im Anschluss natürlich auch direkt probiert werden musste. Schon der Duft ist extrem komplex und hoch interessant. Rose, Cavaillon Melone und reife Ananas. Am Gaumen ist die Restsüße kaum noch zu spüren. Ein über zehn Jahre gereifter Wein, doch absolut klar ohne eine Spur Firn. Holunderblüten- und Kräuternoten kommen hinzu, dahinter kreidig und mineralisch. Tolles, langes Finish. Ich werde die Augen definitiv weiter nach gereiften Koehler Ruprecht Weinen offen halten !


2009 Riesling Kabinett trocken

Alk: 11,5%

Preis: 11€

Punkte: 89/100


2002 Gewürztraminer Spätlese

Alk: 12,5%

Preis: ???

Punkte: 91/100



Donnerstag, 25. April 2013

Weingut Porzelt

Vor kurzem brachte mir einer unserer Weinhändler ein aktuelle Weißweinauswahl des Weingutes Porzelt aus der Pfalz vorbei und bat mich diese zu verkosten und ihm meine Meinung dazu zu sagen. Meist tut besagter Weinhändler das nur, wenn ihm die Weine ohnehin schon sehr gut gefallen haben und er sich bestätigt haben möchte. Doch diesen Gefällen tue ich ihm nicht immer, doch in diesem Fall war auch ich begeistert.

Vom Weingut Porzelt hatte ich bisher nur gelesen und zwar als Andreas Porzelt vom VDP Pfalz in das Förderprogramm "VDP Spitzentalente" aufgenommen wurde. Dieses Projekt ermöglicht aufstrebenden Winzern für fünf Jahre die Marketing und Vertriebskanäle des VDP zu nutzen und von anderen Vereinsmitgliedern zu lernen und sich auszutauschen.

Das Weingut Porzelt liegt im Örtchen Klingenmünster In der Nähe von Landau in der Pfalz. 13 Hektar Rebfläche werden auf verschiedensten Bodenarten von den Porzelts bewirtschaftet. Die besten Lagen des Ortes heißen Maria Magdalena, Gleiszeller und Kirchberg.

Aus der insgesamt starken Kollektion, gefielen mir zwei Weine besonders gut. Zum einen der 2012er Ortswein Klingenmünster Weißburgunder "Vom Muschelkalk" Spätlese trocken. Intensiv, mit wahnsinnig frischer Säure und noch etwas 2012-Kohlensäure. Beispielhafte Weisburgunder-Aromen von grünen Haselnüssen und Banane, gepaart mit kalkiger Mineralität.
Zum anderen begeisterte der 2011er Chardonnay aus der Paradelage Maria Magdalena. Fass gelagert, in der dicken, verkorkten Flasche ist dieser Wein einer der Flagschiffe des Hauses Porzelt. Frisch und knackig, nach roten Äpfeln und Kräutern. Bleibt lang und salzig am Gaumen haften. So macht deutscher Chardonnay Spass: dezentes Holz und schön schlank.

Porzelt ist auf gutem Weg in Deutschlands Spitze, denn auch Silvaner und der süße Gewürztraminer waren sehr gelungen...

Weißburgunder
Alk: 13%
Preis: 9,50€
Punkte: 88/100

Chardonnay
Alk: 13,5%
Preis: 14,50€
Punkte: 88/100








Samstag, 13. April 2013

Uncorked: 2011er Deidesheimer Leinhöhle Riesling, Reichsrat von Buhl

Umringt von lauter Ersten Lagen wie dem Paradiesgarten oder dem Kieselberg liegt die knapp 18 Hektar große Lage Leinhöhle westlich vom pfälzer Weinstädtchen Deidesheim. Komplett nach Süden ausgerichtet ist diese Hanglage eine der wärmsten der Gegend. Schon früher wussten die Deidesheimer Bürger den "Heißen Hügel" zu nutzen und bleichten dort ihre Leinen, daher der Name.
Heute ist die Leinhöhle zum Großteil mit Riesling bestockt und einige Hektar davon sind im Besitz des Weinguts Reichsrat von Buhl und werden vollständig ökologisch bewirtschaftet.
Trotz der extremen Temperaturen die im Sommer auftreten können (bis 50° Lufttemperatur) und einem relativ üppigem, vom Lehm dominierten Boden, wirkt der trockene 2011er Riesling nicht fett: in der Nase intensive Aromen von Pfirsich, Passionsfrucht, Apfel und Orangina Rouge die sich am Gaumen fortsetzten. Dazu saftige, animierende Säure und viel Extrakt. Der Abgang wird getragen von kräuteriger Mineralität und einer schönen Grapefruit Note. Definitiv ein Wein, mit dem man in den endlich nahenden Frühling starten kann...

Mittwoch, 3. April 2013

Wein und Fleisch II

Zum zweiten mal in diesen Jahr treffen sich drei Profis aus der Gastronomie, um unter dem Motto "Wein und Fleisch" objektiv die Wechselwirkung von tierischen Fetten und vergorenem Traubensaft zu analysieren...

Das Fleisch:
Diesmal gab es Schwein. Nein nicht dieses wässrige aus dem Supermarkt und auch kein Iberico, sonder was aus der Heimat: Thüringer Duroc Schwein. Glücklich, fein marmoriert, saftig. Ein 1,5 kg schweres Nackenstück war unser Objekt der Begierde. Schön mit geräuchertem Paprikapulver, Rauchsalz, Pfeffer und Kräutern eingerieben, angebraten und zwei Stunden bei 70° in den Ofen. Bäm ! Dazu gabs Ofengemüse...aber das ist Nebensache.

Die Weine:
Der erste Wein zum Fleisch war ein 2009er Pinot Noir der Santa Barbara Winery, von den Santa Rita Hills, Kalifornien. Dass Übersee-Pinots in der Regel etwas üppiger sind als Pinots aus dem Burgund oder deutscher Spätburgunder ist ja bekannt, da ist dieses Exemplar keine Ausnahme. Sehr fruchtiger, verführerischer Duft nach Waldfrüchten und frisch geschlagenem Holz. Am Gaumen eine Fruchtbombe, Sauerkirschen und Johannisbeeren, das Eichenholz ist deutlich spürbar, aber gut eingebunden. Die Tannine sind extrem seidig und saftig süß. Die Süße kommt jedoch von den mächtigen 14,7% Alkohol, welcher durch die intensive Frucht kaum auffällt. Mit den pikanten und rauchigen Aromen des Fleisches, wird der Wein spielend fertig. Das Fleisch kitzelt die Säure des Weins heraus, was ihn frischer und noch süffiger macht...keine halbe Stunde und die Flasche ist leer.

Danach wartet schon ein spanischer Klassiker in der Karaffe: Condado de Haza von Winzerlegende Alejandro Fernández aus der Ribera del Duero aus dem spektakulären Jahrgang 1995. Abgesehen vom ebenbürtigen Jahr 1996 gab es bisher keinen besseren Jahrgang. Dieser Tempranillo verströmt einen unglaublichen Duft nach süßen Kirschen. Am Gaumen setzt sich das Kirscharoma fort, hinzu kommen dezente Aromen von Mokka und warmer Asche. Die Tannine sind noch präsent, doch von der Zeit ordentlich breitgetreten. Säure, Tannine und Extrakt sind durch die Reife perfekt verschmolzen und kontern herrlich das Fett des Duroc Schweins. Leider verliert der Haza mit der Zeit immer mehr an Intensität. Je mehr Luft der Wein bekommt, je müder wirkt er. Aber ich denke nach 18 Jahren geht das in Ordnung. Muss man halt schneller trinken...

Nun ist das Fleisch vernichtet, die Bäuche sind voll, die Nacht ist längst angebrochen, man läuft Gefahr müde zu werden... Wir brauchen eine Erfrischung, was leichtes, aber süß muss es auch sein, wir haben schließlich kein Dessert. Am besten was Deutsches. Der Klimaschrank spuckt eine Flasche 2011er Ungsteiner Gewürztraminer Spätlese vom pfälzer Weingut Pfeffingen aus. Gute Wahl. In der Nase nach getrockneten Blüten, Honigmelone und Muskatnuss. Im Mund dominiert von kalkiger Mineralität und dezenter Süße. (28 g/l Restzucker) Bleibt lange haften. Ein perfekter Abschluss !

2009 Santa Barbara Winery Pinot Noir
Alk: 14,7%
Preis: 19€
Punkte: 89/100

1995 Condado de Haza
Alk: 13%
Preis: wenn man ihn noch irgendwo bekommt, so um 30€
Punkte: 90/100

2011 Ungsteiner Gewürztraminer Spätlese Weingut Pfeffingen
Alk: 11,5%
Preis: 10€
Punkte: 87/100









Samstag, 16. März 2013

Uncorked: 2009er Steinbuckel GG, Spätburgunder , Philipp Kuhn

In der Wein-Internet-Blogszene wird ja zur Zeit heiß diskutiert, warum die Deutschen ihre eigenen trockenen Spitzengewächse nicht genug selber konsumieren. Da muss man was ändern. Also einfachmal, mitten in der Woche, ein Pfälzer Großes Gewächs der Spitzenklasse getrunken !
Genauer ein 2009er Spätburgunder von Philipp Kuhn aus der Laumersheimer Lage Steinbuckel. Der Steinbuckel ist ein burgundisch anmutendes Kalkmassiv mit Lößauflage und Südost Ausrichtung. Selektive Handlese und der Ausbau in neuen Barrique Fässern sind für Kuhn bei seinen Größen Gewächsen selbstverständlich.

Der 2009er Steinbuckel ist ein Pinot Noir von internationalem Format: Zuerst muss man sagen, dass dieser Wein noch ein Baby ist, doch trotzdem ist er schon gut zutrinken. In der Nase herrlicher Kirschduft mit leichtem rauchig-würzigem Fassaroma. Am Gaumen dann Waldbeeren, Kirsche, Lagerfeuer und Anklänge von Schwarzwälder Schinken. In der Mitte lässt er ein wenig die Frische vermissen und die 14% Alkohol sind deutlich spürbar... Dann kam das Essen auf den Tisch. Nur ein kleiner Snack, Chicken Meatballs und Baguette. Doch der Wein blüht jetzt richtig auf. Der Alkohol trifft auf Fett und tritt in den Hintergrund, der Wein wirkt nun frischer und gewinnt extrem an Trinkfluss, ohne dabei an Finesse zu verlieren. Das Finish ist traumhaft lang, kalkig und komplex.
Great German Pinot !

Alk: 14%
Preis: 34€
Punkte: 91/100