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Donnerstag, 18. Juli 2013

Uncorked: 2005er Frontaura Crianza


Beim Anbaugebiet Toro D.O. von einem Geheimtipp zu sprechen, wäre mittlerweile einige Jahre zu spät. Längst weiß man um das Potential dieser kargen, bergigen Landschaft mit seinen teilweise uralten Rebstöcken der Tempranillo Traube, die dort Tinta del Toro genannt wird. Eine Bodega, die von Anfang an das Ziel verfolgte, eine der besten Weinerzeuger der Region zu werden, ist die Bodega Frontaura y Victoria. Ganze 10 Jahre bevor der erste Wein gemacht wurde, fing das Frontaura Team an ihre 100 ha Weinberge instand zu setzten und zu pflegen. Dies beinhaltete auch den Bau einer Tröpfchen-Bewässerungsanlage, welche mit Hilfe der Weinbergs eigenen Wetterstation auf die Bedürfnisse der Reben abgestimmt wird. Später folgten die ersten Test im Weinkeller, und zwar mit ausschließlich französischen Barrique Fässern. Man sieht also: Hier wird von Anfang an wenig dem Zufall überlassen. 

Das größte Kapital der Bodega sind aber Klima und Boden der Weinberge: Die 645 Höhenmeter sorgen für Abkühlung der Trauben und der sehr steinige Schwemmlandboden lässt die Reben ordentlich kämpfen. Das macht die Weine von Frontaura dicht und intensiv, aber nicht zu fett und marmeladig. 

Der 2005er Crianza stellt die dritt höchste Qualitätsstufe des Hauses da. Dieser Wein wurde 15 Monate in neuen Barriques ausgebaut und besteht natürlich zu 100% aus Tinta del Toro. In der Nase duftet er verführerisch nach schwarzen, reifen Kirschen, Drehtabak und etwas Holzkohle. Am Gaumen spürt man die Wärme des Herkunftslandes, doch ohne viel Alkohol und gut abgefangen von frischer Säure, die den Wein elegant hält. Die Frucht steht noch im Vordergrund, doch kommen gegen Ende interessante Noten von Kokos und neu gekaufter, teurer Lederjacke dazu. Wir tranken den Wein bei einem BBQ (ja ich weiß, der Begriff BBQ oder Grill taucht in letzter Zeit oft auf) zu gegrillten Chorizos und iberischem Schweinenacken...muss ich mehr sagen ?

Alk: 14%
Preis: ca. 50€ (Magnum)
Punkte: 91/100



Mittwoch, 3. April 2013

Wein und Fleisch II

Zum zweiten mal in diesen Jahr treffen sich drei Profis aus der Gastronomie, um unter dem Motto "Wein und Fleisch" objektiv die Wechselwirkung von tierischen Fetten und vergorenem Traubensaft zu analysieren...

Das Fleisch:
Diesmal gab es Schwein. Nein nicht dieses wässrige aus dem Supermarkt und auch kein Iberico, sonder was aus der Heimat: Thüringer Duroc Schwein. Glücklich, fein marmoriert, saftig. Ein 1,5 kg schweres Nackenstück war unser Objekt der Begierde. Schön mit geräuchertem Paprikapulver, Rauchsalz, Pfeffer und Kräutern eingerieben, angebraten und zwei Stunden bei 70° in den Ofen. Bäm ! Dazu gabs Ofengemüse...aber das ist Nebensache.

Die Weine:
Der erste Wein zum Fleisch war ein 2009er Pinot Noir der Santa Barbara Winery, von den Santa Rita Hills, Kalifornien. Dass Übersee-Pinots in der Regel etwas üppiger sind als Pinots aus dem Burgund oder deutscher Spätburgunder ist ja bekannt, da ist dieses Exemplar keine Ausnahme. Sehr fruchtiger, verführerischer Duft nach Waldfrüchten und frisch geschlagenem Holz. Am Gaumen eine Fruchtbombe, Sauerkirschen und Johannisbeeren, das Eichenholz ist deutlich spürbar, aber gut eingebunden. Die Tannine sind extrem seidig und saftig süß. Die Süße kommt jedoch von den mächtigen 14,7% Alkohol, welcher durch die intensive Frucht kaum auffällt. Mit den pikanten und rauchigen Aromen des Fleisches, wird der Wein spielend fertig. Das Fleisch kitzelt die Säure des Weins heraus, was ihn frischer und noch süffiger macht...keine halbe Stunde und die Flasche ist leer.

Danach wartet schon ein spanischer Klassiker in der Karaffe: Condado de Haza von Winzerlegende Alejandro Fernández aus der Ribera del Duero aus dem spektakulären Jahrgang 1995. Abgesehen vom ebenbürtigen Jahr 1996 gab es bisher keinen besseren Jahrgang. Dieser Tempranillo verströmt einen unglaublichen Duft nach süßen Kirschen. Am Gaumen setzt sich das Kirscharoma fort, hinzu kommen dezente Aromen von Mokka und warmer Asche. Die Tannine sind noch präsent, doch von der Zeit ordentlich breitgetreten. Säure, Tannine und Extrakt sind durch die Reife perfekt verschmolzen und kontern herrlich das Fett des Duroc Schweins. Leider verliert der Haza mit der Zeit immer mehr an Intensität. Je mehr Luft der Wein bekommt, je müder wirkt er. Aber ich denke nach 18 Jahren geht das in Ordnung. Muss man halt schneller trinken...

Nun ist das Fleisch vernichtet, die Bäuche sind voll, die Nacht ist längst angebrochen, man läuft Gefahr müde zu werden... Wir brauchen eine Erfrischung, was leichtes, aber süß muss es auch sein, wir haben schließlich kein Dessert. Am besten was Deutsches. Der Klimaschrank spuckt eine Flasche 2011er Ungsteiner Gewürztraminer Spätlese vom pfälzer Weingut Pfeffingen aus. Gute Wahl. In der Nase nach getrockneten Blüten, Honigmelone und Muskatnuss. Im Mund dominiert von kalkiger Mineralität und dezenter Süße. (28 g/l Restzucker) Bleibt lange haften. Ein perfekter Abschluss !

2009 Santa Barbara Winery Pinot Noir
Alk: 14,7%
Preis: 19€
Punkte: 89/100

1995 Condado de Haza
Alk: 13%
Preis: wenn man ihn noch irgendwo bekommt, so um 30€
Punkte: 90/100

2011 Ungsteiner Gewürztraminer Spätlese Weingut Pfeffingen
Alk: 11,5%
Preis: 10€
Punkte: 87/100









Samstag, 5. Mai 2012

Wein und Schwein

Männerabend ! Da kommt Fleisch auf den Tisch: Gegrilltes Secreto vom Iberico Schwein "BBQ Style" auf Ofengemüse. Danach noch ordentlich gereifter, herrlich stinkender Käse. Dazu haben wir Natürlich auch ein paar Flaschen Rotwein geleert.

Gestartet haben wir mit einem 2009er "Los Dos Corte D'Oro" von Dieter Meyer und Laurenz Moser aus der argentinischen Weinbauregion Mendoza. Los Dos, was übersetzt "Die Zwei" bedeutet, steht für die beiden Rebsorten Malbec und Cabernet Sauvignon, welche in 1000 Metern Höhe komplett biologisch angebaut werden. Der Wein beeindruckt mit Aromen von schwarzen Früchten,Pflaumen, Schokolade und etwas Vanille. Sehr weiche Tannine, eine herrliche fruchtige Frische und ein leicht süßlicher Abgang machen ihn zum perfekten Begleiter zu unserem spicy Schwein.

Alk: 14,5%
Preis: 14€
Punkte: 88+/100


Wir hatten gerade die ersten saftigen Bissen Fleisch genossen, da war der erste Wein auch schon leer. Also musste eine Magnum her. Ich entschied mich für eine 2001er "El Vinculo" aus la Mancha von Altemeister Alejandro Fernández. Schnell dekantiert und los gings: ein bulliger Wein mit dichten Kirsch und Beerenaromen, perfekt integriertes Holz, leichte Rauchnote, feste Tannine, schön lang. Ein Tempranillo mit Tiefgang und perfekter Trinkreife.

Alk:
Preis: 36€ (Magnum)
Punkte: 90/100

Als nächstes begaben wir uns Rotweintechnisch nach Italien, genauer ins Veneto. 2007er Amarone della Valpolicella von Luigi Righetti. Ich erwartete einen noch dichteren Extraktreicheren Wein. Doch ich wurde etwas entäuscht. Der Amarone besaß zwar eine schöne Frucht und die typische leichte Bitterkeit, doch waren Körper und Länge eher flach. Einige meiner Mitstreiter waren da anderer Meinung und waren begeistert.

Alk: 15%
Preis: ca.15€
Punkte: 80/100

Nach einer kleinen Pause kam dann der schimmelige Teil des Abends: Käse ! Bio-Munster, Rosmarin Brie, alter Comté und andere Sauereien. Dazu musste ein Schluck Port ins Glas und zwar der Fonseca BIN Nr.27 Fine Reserve. Purpur bis schwarz im Glas. Herrlich fettes, süßes Bukett nach Kirschen, Cassis und Holundergelee. Langer, samtiger Abgang. Ein würdiger Abschluss eines gelungen Abends. Danke Jungs !

Alk: 20%
Preis: 18,90€
Punkte: 88/100