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Mittwoch, 7. Mai 2014

Blindflug mit Riesling-Highlights

Die Sommelier Prüfung rückt immer näher, also heißt es üben. Das bedeutet viele Bücher wälzen und auswendig lernen, aber auch Sensorik, sprich Verkostungstraining. Das geht am besten mit einem Blindtasting. Doch alleine ist das eher schwierig, wenn man absolut keine Ahnung haben will, was man da im Glas hat. Also braucht man ein paar andere Weinverrückte, die Lust auf einen Abend voll Schwenken, Schnüffeln, Raten und ja, auch Trinken haben. Solche findet man zu Hauf im Bochumer Weinklub Porto Bocho. Wie den Klub Präsidenten Christian und seinen Bruder Patric. Wenn man dann noch ein paar passende kulinarische Schmankerl auf den Tisch stellt, kann das ein lehrreicher, unvergesslicher Abend werden...




Als erstes gab es einen gereiften Süßwein, denn es kam Foir Gras auf den Tisch. Ich hatte einen Tag zuvor eine Entenstopfleberterrine mit Backpflaumen und Entenbrust zubereitet. (Ja sie  schmeckte so gut wie sie aussah.) Als kongenialer Partner, eine Riesling Beerenauslese aus der Lage Deidesheimer Kalkofen, Jahrgang 1998 vom pfälzer Weingut Dr. Deinhard, welches heute zum Weingut Von Winning gehört. Kupferfarbend und ölig fließt der Wein ins Glas, betörend der Duft von getrockneten Aprikosen, Honig und gebrannten Mandeln. Am Gaumen mit präsenter Säure, kleidet sofort dem gesammten Mundraum aus und bleibt ewig. Die Dr. Deinhard Linie, bestehend aus im Stahltank ausgebauten Weinen von trocken bis edelsüß gibt es auch heute noch. Sie grenzt sich von den immer trockenen und meist im Holzfass Ausgebauten Von Winning Weinen ab und ist preislich sehr fair.



Der Wein des Abends stammt, nur wenige Kilometer vom oben genannten, aus dem Ort Forst nahe der Mittelhardt. Genauer aus der Toplage Kirchenstück. Ein wilder Mix aus allen möglich Bödenarten wie Bundsandstein, Basalt, Ton und Kalk und die wärmespeichernden Gebäude und Mauern aus Sandstein, welche die Lage umfrieden, bieten dem Riesling hier beste Bedingungen. Ein Weingut, welches jedes Jahr hervorragenden Wein aus den Trauben dieser Lage keltert, ist das Weingut Dr. Bürklin-Wolf. So auch im Jahr 1989, in diesem Fall eine Spätlese. Der Wein strahlt altgolden, in der Nase zuerst etwas nach nassem Keller, doch tritt dieser Ton mit Luftzufuhr immer weiter in den Hintergrund und macht Platz für Noten von Zitronenschale, goldenen Äpfeln und Kamille, später reife Ananas und Kräuter. Am Gaumen ist der Wein extrem saftig und vielschichtig, die Restsüße ist rudimentär, der Wein schmeckt quasi trocken. Die Säure ist verspielt und pfeift auf die 25 Jahre, die dieser Oldie auf dem Buckel hat. Spannend ! Der Wein verändert sich im Glas im Minutentakt...



Nach extrem leckerer Bolognese aus Schweinenacken, Lammschulter und Kalbsbeinscheiben von Gastgeber Patric und einigen erstklassigen Rotweinen kam es wie es kommen musste: Käse ! Dazu natürlich was Süßes. Wieder Riesling, diesmal 2005er von der Saar. Scharzhofberg die Lage. Roman Niewodniczanski der Winzer, Auslese das Prädikat... Da muss man nicht viel mehr sagen. Würdiges Ende für einen wahnsinns Abend !



Danke Pat für die Fotos !

1998 Riesling BA, Deidesheimer Kalkofen, Weingut Dr. Deinhard 94/100
1989 Riesling SL, Forster Kirchenstück, Weingut Dr. Bürklin-Wolf 96/100
2005 Riesling AL, Scharzhofberg, Weingut Van Volxem 90/100



Samstag, 4. Januar 2014

Gebt dem Winzersekt eine Chance

Weihnachtszeit und dazu noch der Jahreswechsel, da hat der Schaumwein Hochkonjunktur. Obwohl das hat er bei uns Deutschen ja eigentlich immer. Jahr für Jahr sind wir ganz oben mit dabei wenn es um den Pro-Kopf-Konsum geht. Doch wenn man sich anschaut was da so konsumiert wird, ist das irgendwie kein Grund zum Jubeln. Neben billigem Frizzante, kommt das meiste von deutschen Großkellereien, hier werden die meist aus Italien oder Frankreich importierten Grundweine im Tankgärverfahren versektet, in Flaschen gefüllt und mit einem hässlichen Plastikkorken verschlossen. Wenn dann noch "trocken" (mit bist zu 35 g/l Zucker alles andere als das) oder sogar das herrlich verwirrende Wort "mild" auf dem Etikett zu lesen, rollen sich bei mir die Zehennägel hoch. Und wenn es etwas besonderes sein soll wird eine Flasche Champagner gekauft, ein Moëtchen vielleicht. Dabei gibt es doch auch deutsche Schaumweine von höchster Qualität und einem Preis-Leistungsverhältnis bei dem viele Non-Vintage Champagner nicht mithalten können. Grade aus der Rieslingtraube kann bei richtiger Behandlung ein Sekt mit unverwechselbarem Charakter und Charme entstehen. Kein deutscher Champagner, sondern ein eigenständiges Produkt, ein Winzersekt, welcher sein Terroir so exzellent zum Ausdruck bringt, wie es die weltbekannten Stillweine dieser Traube auch tun.  



Ein Rieslingssekt begeisterte mich so, dass er sowohl mein Weihnachtsmenü wie auch das neue Jahr einleitete. Das ist der 2008er Brut 1900 von Van Volxem aus Wiltingen. Ein Sekt wie vor hundert Jahren ist der Slogan. Die Trauben stammen von alten Riesling Reben von besten Schiefersteillagen der Saar. Schon optisch toll gelungen, muss sich dieser Sekt von Winzer Roman Niewodniczanski nicht verstecken. Fünf Jahre Hefelager verleihen diesem Sekt eine feine Perlage, der Riesling herrlich gereift. Frische rote Äpfel, Apfelkuchen, dezente Hefearomen steigen einem in die Nase. Am Gaumen kommen Zitrusnoten hinzu, dahinter die intensive Schiefermineralität, die dem eingefleischten Rieslingtrinker direkt bekannt vorkommt. Komplex und mit Druck, doch immer schwebend leicht. Ein absolut eleganter Aperitif oder ein spannender Speisenbegleiter, wie bei mir zu gebeiztem Lachs. Frohes Neues Jahr !

Alk: 12%
Preis: 26€
Punkte: 93/100

Dienstag, 20. August 2013

Van Volxem Probe mit Roman Niewodniczanski

Die Erfolgsgeschichte des Weinguts Van Volxem ist eng verbunden mit der Lebensgeschichte von Roman Niewodniczanski. Ein Weingut von Weltruf, das war von Anfang an sein Plan. Doch wo ? Mit ordentlich Kapital der Bitburger Dynastie im Rücken machte sich der zwei Meter plus Hüne Ende der 90er, zunächst in Chile auf die Suche. Doch nach eigener Aussage waren ihm die Menschen dort zu klein und die Bedingungen nicht optimal. Danach ging es in die Toskana auf Weingutssuche. Dazu Niewodniczanski: "Mir gefiel die Nähe zu München. Ich dachte im P1 macht es bei den Frauen bestimmt Eindruck wenn ich sagen kann, dass ich ein Weingut in der Toskana besitze !" Doch im Vordergrund stand immer erstklassigen Wein zu machen und so musste Roman Niewodniczanski feststellen, dass die Weingüter die ihm die Bedingungen dafür bieten würden, selbst für ihn nicht bezahlbar waren. So wurde er am Ende in der Heimat Deutschland fündig, genauer in Wiltingen an der Saar...



Der Riesling, die Königin der weißen Rebsorten, soll es also richten. Herkunft bzw. Terroir ins Glas bringen, dass vermag der Riesling wie kaum eine andere Traube. Darauf setzt auch Niewodniczanski bei seinem Weg zum Spitzenwein. Das neu erworbene Weingut Van Volxem bot dafür zwar die Basis, doch verfügte es nur über relativ wenig Besitz und veraltete Kellertechnik. Denn um in der Weltspitze mitzuspielen benötigt man nicht nur top Qualität sondern auch Quantität. "Man muss liefern können", sagt er. So schloss der Quereinsteiger Niewodniczanski bis heute über 500 Kauf- und Pachtveträge mit zig Winzern, Weinbauern und Gemeinden ab um seinen Landbesitz in einigen der besten Weinbergslagen der Saar auf ca. 45 Hektar zu vergrößern. Mittlerweile teilt er sich klangvolle Lagen wie den Scharzhofberg oder den Altenberg mit Traditionsweingütern wie Egon Müller oder Von Othegraven. 

Außer der Spontangärung wird auch bei allem anderen wenig dem Zufall überlassen, Qualität ohne jegliche Kompromisse. Mehrere Erntedurchgänge, reine Handlese, extrem niedrige Erträge, keine Aufzuckerung oder Schönung der Weine...all das ist bei Van Volxem selbstverständlich, doch Perfektionist R.N. setzt noch einen (oder mehrere) drauf: Nehmen wir z.B. Das Thema Korken. Dadurch das Van Volxem auch viel Wein ins Schraubverschluss-feindliche Asien exportiert, sind alle Weine, auch die beiden einfachen Gutsweine, mit einem Naturkorken versehen. Aber natürlich nicht mit irgendeinem. Verwendet werden nur die besten Korken welche den Winzer stolze 1,40 € pro Stück (!) kosten. Das scheint sich zu lohnen, denn Van Volxem liegt nach eigener Aussage bei nur 0,2 % Korkschmeckeranteil und gibt Rückgaberecht auf verkorkte Weine. 
Auch an der Lagerfähigkeit seiner Weine lässt Niewodniczanski kein Zweifel, so gibt er mittlerweile selbst auf seine Basisweine 10 Jahre "Garantie". Man könnte etliche weitere Beispiele nennen, von Fässern aus eigenen Wäldern, modernsten Korbpressen u.s.w. An jedem Rädchen, welches hilft den Ruf und die Qualität der Van Volxem Weine zu erhöhen wird gedreht. 

Doch kommen wir nun zum Ergebniss des Ganzen, den Riesling Weinen. Davon hatte Roman Niewodniczanski einige im Gepäck. Ich möchte nicht auf jede einzelne Flasche eingehen, sondern mich auf die beiden brandneuen 2012er Großen Gewächse aus Goldberg und Scharzhofberg beschränken. Wobei ich sagen muss das die gesamte Kollektion durch die Bank extrem stark war. (Natürlich bestens begleitet von den von mir zubereiteten asiatischen Speisen: Sushi von Oktopus und Tuna, Chili-Beef Salad und Curry Shrimps mit Wakame Algen ;)



Die VDP Großen Gewächse werden ja eigentlich erst ab dem ersten September vorgestellt, doch für eine Reihe von Gastronomen und Fachhändlern wurde eine Ausnahme gemacht. Zwar noch als "Fassprobe" deklariert, ist der Wein aber schon fertig gefüllt, aber noch nicht auf dem Markt. Sozusagen eine kleine Weltpremiere ! 

Der 2012er Goldberg duftet nach Beeren, nassem Stein und ganz dezent nach Rauch. Am Gaumen eine eher saftige Säure, verspielt und filigran mit enormer Dichte. Trinkfluss und Länge, zwei der wichtigsten Kriterien bei Van Volxem, sind hier im Überfluss vorhanden. Auch beim 2012er Scharzhofberg sind diese Länge und dieser Trinkfluss jetzt schon da. Doch ist der Wein etwas ernster, weniger Frucht dafür mehr kühle Mineralik. Am Gaumen machen diese intensive Salzigkeit und Schieferwürze ordentlich Druck. Jahrgangsbedingt wirkt die Säure noch frischer und pikanter als 2011. Noten von Apfel und Limettenschale spielen nur die zweite Geige, der karge Schieferboden dominiert. Durch die leichte Kohlensäure und die jugendliche Spritzigkeit macht der Scharzhofberg zwar jetzt schon Spass, seinen Höhepunkt jedoch wird der Wein erst in einigen Jahren erreichen.

2012 Goldberg Großes Gewächs
92+/100

2012 Scharzhofberg Großes Gewächs 
93+/100

Danke an Herrn Bierwirth, Herrn Lelek und natürlich Roman Niewodniczanski für die tolle Probe.


Mittwoch, 22. Mai 2013

Weber und Siemens

Was haben diese Firmen mit Wein zu tun ?! Die erste schonmal garnichts. Aber ich habe mir vor kurzem einen Weber Gasgrill zugelegt und bin absolut begeistert. Direkt heiß, keine Asche, kein Rauch. Als alter Holzkohle Fan war ich ja skeptisch, aber selbst Grill Flair und Aroma kommen nicht zu kurz. Außerdem Grille ich jetzt ständig und alles mögliche und auch das Räuchern (z.B. mit Bio-Rebholzchips) funktioniert hervorragend. Und wie gut Wein und BBQ zusammen passt, muss ich ja wohl nicht erklären...

Wie der Wein zu meiner letzten Grill Session, bei der es, auf Wunsch meiner Freundin, doch eher Fisch und Gemüse lastig zuging. Der Wein war ein Riesling Namens "Scivaro" (altdeutsch für Schiefer) von der Saar. Verantwortliches ist das Weingut Dr. Siemens. Nein die haben nichts mit dem Elektro-Konzern zu tun, sondern hier hat sich wieder einmal ein Quereinsteiger seinen Traum vom eigenen Weingut erfüllt und zwar Dr. Jochen Siemens, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. 14 Hektar Weinberge, größtenteils Steillagen mit Schiefer- und Porphyrböden, bewirtschaftet das Weingut. Gute 9 Hektar davon sind mit Riesling bestockt. Auch der 2011er Scivaro ist zu hundert Prozent Riesling und einer der Einstiegsweine von Dr. Siemens. Und ich nehme es vorweg: Ein absoluter Kauftipp !

In der Nase fruchtig-frisch nach gelbem Steinobst,Quitte und nassen Steinen. Am Gaumen pure Trinkfreude: nicht staubtrocken, sondern mit etwas Restzucker ausgestattet, mineralisch, nach Pfirsich und Limette, schlank, klar. Wenig Alkohol, trotzdem intensiv ohne breit zu werden. Perfekter Sauffwein. Mit einer Flasche kommt man nicht aus. Muss man auch nicht bei diesem Preis. 

Alk: 12%
Preis: 9€
Gekauft bei: Vino Vin Dortmund
Punkte: 90/100


Dienstag, 22. Januar 2013

Reife Spätlesen aus dem Supermarkt

Bei einem meiner Streifzüge durch die Weinabteilung des Edeka Bukowski in Bochum, stolperte ich über zwei Riesling Spätlesen vom Traditionsweingut Reichsgraf von Kesselstatt von den Spitzenlagen Scharzhofberg und Josephshöfer. Das derartige Weine in den Regalen dieses Edel-Supermarktes zu finden sind verwundert nicht, doch Jahrgang und Preis erregten meine Aufmerksamkeit. Denn wann findet man schon mal einen fast 10 Jahre gereiften restsüßen Riesling aus einer Toplage für 12,90 € ?!

Seit 1349 wird in Trier unter dem Namen Kesselstatt Weinbau betrieben. Das VDP Weingut besitzt mittlerweile 36 Hektar Rebfläche an den Hängen von Mosel, Saar und Ruwer. Darunter einige weltbekannte Lagen, wie zum Beispiel der Scharzhofberg an der Saar mit seinem groben Grauschieferboden. Von hier stammt auch die herrliche 2003er Spätlese: Im Glas mit brillanter gold-gelber Farbe. Riecht man hinein, schlägt einem ein komplexes Bukett von Steinobst und Holunderblüte entgegen. Eine leichte Petrolnote, die auch etwas an Radiergummi erinnert, ist auch vorhanden, aber keinesfalls störend. Am Gaumen mit toller Schieferwürze und Aromen von Grapefruit und Kräutern. Der im Jahr 2003 sehr hoch ausgefallene Zuckergehalt wird von erfrischender Säure gut gepuffert. Langer, mineralischer Abgang. (90/100)

Die zweite Riesling Spätlese aus gleichem Jahrgang stammt von der Mittelmosel, genauer von der Lage Josephshöfer. Dies ist eine Monopol-Lage, also im Alleinbesitz des Weingutes Reichsgraf von Kesselstatt. Der Josephshöfer, welcher zum Ort Graach gehört, wird moseltypisch vom Devonschiefer dominiert, doch mit relativ hohem Lössanteil. Das macht den Wein etwas breiter und saftiger als sein Vorgänger. Trotzdem ist auch hier eine immer noch frische Säure vorhanden. Der Josephshöfer besitzt weniger Kräuternoten und Mineralität, dafür üppige Frucht mit Aromen von Pfirsich, Ananas und reifen Äpfeln. Auch erste Anklänge von Honig sind zu schmecken. Seine saftige Süße bleibt lange am Gaumen haften.(89/100)

Fazit: Augen auf im Supermarkt ! Und: Restsüße Rieslinge sind und bleiben der Hammer zu pikantem Asia Food..!

Alk: beide 8%
Preis: je 12,90€
Gekauft bei: Edeka Bukowski





Riesling trifft Asien

An dieser Stelle ein Nachtrag vom 28.10. An jenem Sonntag nämlich fand auf Schloss Hugenpoet in Essen ein ganz besonderes Weinevent statt. Als Teil der Initiative "Wein&Lebensart Ruhr" ging es unter dem Motto: "Riesling trifft Asien" um Wein und Speisen der extraklasse. Küchenchefin Erika Bergheim lud den japanischen Sternekoch Yoshizumi Nagaya aus Düsseldorf zum Heimspiel in die Küche des Nero ein, um grandioses Fingerfood und ein Wahnsinns 6-Gang Menü zu zaubern. Die begleitenden Rieslinge kamen von den Weingütern Dr. Bürklin Wolf aus der Pfalz, Robert Weil aus dem Rheingau und Van Volxem von der Saar. Diese Highroller ließen sich nicht lumpen und schickten jeweils einen Abgesanten mit, um die einzelnen Weine kurz anzumoderieren. Beim Weingut Van Volxem war dies kein geringerer als Winzer Roman Niewodniczanski höchst persönlich. Nach ein paar Wilkommenssätzen vom Geschäftsführer des Schlosshotels und Schirmherr von Wein&Lebensart Ruhr Michael Lübbert starte dann ein6 Stündigen, kulinarischen Marathon.

Ich möchte jetzt nicht auf jeden einzelnen Wein eingehen, kurzum: Alle waren großartig ! Extrem positiv in Erinnerung geblieben sind mir der zum Empfang gereichte Jahrgangs-Rieslingssekt "1900" von Van Volxem, für den ich einige Champagner stehen lassen würde. Außer dem der 2011er Altenberg Riesling, Alte Reben, Große Lage von Van Volxem der traumhaft zu Durocschwein passte.

Als bekennender Fan von deutschen Süßweinen, war mein persönliches Highlight der 1998er Forster Pechstein "R" von Dr.Bürklin Wolf. Die Trauben für dieses Elixier wurden selektiv von Hand gelesen, nach der Gärung wird der Wein 6-12 Monate im Holzfass ausgebaut und dann 7(!) Jahre im Gutskeller auf der Flasche gelagert. Goldgelb im Glas. Üppige Aromen von Ananas, Honig, Butterkaramell und Vanille. Die Breite Fruchtsüße wird perfekt gestützt von frischer Säure. Komplex, dick, verführerisch und toll balanciert. Laaaanges, mineralisches Finish. Großes Kino !

Alk: 11%
Preis: 36€
Punkte: 93+/100


Samstag, 12. Januar 2013

Riesling und was Süßes im Fährhaus

Die erste paar Tage des Jahres verbrachte ich, wie schon letztes Jahr, im Hotel Fährhaus in Munkmarsch aus Sylt. In freudiger Erwartung lies ich mir vorab die Weinkarte auf unser Hotelzimmer bringen, um mir in aller Ruhe aus diesem 53 Seiten starken Wälzer eine Flasche fürs Dinner auszusuchen. Meine Wahl viel auf den 2009er Riesling Saarburger Rausch Großes Gewächs vom Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken an der Saar. Zum einen weil der Preis fair war und zum anderen weil ich schon so oft positives von diesem Weingut, vorallem im Restsüßen Bereich, gehört habe. Meine Neugier zahlte sich aus: In der Nase frisch nach Pfirsich und grünem Tee. Am Gaumen unglaublich leicht und schlank und trotzdem mit enormer Aromenvielfallt und Finesse. Apfel, Limettenschale und wieder Pfirsich am Gaumen mit ganz dezenter salziger Schieferwürze. Die Säure sehr gut integriert. Am nächsten Tag (ja ich habe geschafft etwas übrig zu behalten) kamen noch Honig und Kräuternoten hinzu und das Bukett wurde noch komplexer und dichter. Ein großer Wein !

Alk: 12,5%
Preis: 65€ (im Restaurant)
Punkte: 93+/100

Zum Dessert gönnte ich mir dann noch ein Schlückchen Süßwein. Die Someliere empfahl zu meinem Armen Ritter vom Walnuss-Brioche mit Zimt Eis, Apfel und Maronen eine 2008er Beerenauslese vom Weingut Kracher vom Neusiedlersee in Österreich. Diese besteht zu 40% aus Chardonnay, 40% Welschriesling und 20% Bouvier. Alle Rebsorten wurden ca. 12 Monate in Holzfässern ausgebaut. Der Wein besitzt eine dezente mineralische Nase nach Honig. Am Gaumen mit Aromen von kandierten Zitrusfrüchten, Litchi und gut dosierten vanilligen Holznoten. Die 150g/l Restsüße werden von der Säure gut ausbalanciert. Der Wein ist schön viskos und bleibt lange haften.

Alk: 12.5%
Preis: ca 16€ (0,375l)
Punkte: 89/100



Sonntag, 29. Juli 2012

Drei Rieslinge um 10 Euro...

...drei verschiedene Anbaugebiete, drei große Namen !

Der erste Riesling stammt von der Nahe, vom Weingut Emrich Schönleber. Gelegen in Monzingen, bewirtschaften Frank und Walter Schönleber 17 Hektar Rebfläche, welche sich großteilig auf die beiden Spitzenlagen Halenberg und Frühlingsplätzchen verteilt. Der 2011er Riesling QbA trocken ist das Einstiegsmodel des VDP Hauses und lässt schon erahnen wie gut die Lagen Weine und die Größen Gewächse wohl sein mögen. Relativ dezente, mineralisch geprägte Nase. Am Gaumen nach Boskop Äpfeln und leicht nach Gartenkräutern, mit erfrischender, jugendlicher, fast pikanter Säure. Salziger Abgang.

Alk: 11,5%
Preis: 11€
Punkte: 86+/100

Auf den zweiten Riesling freute ich mich sehr. 2011er Riesling Schiefer vom Saarweingut Van Volxem. Mein erster Wein von Winzer des Jahres 2011 Roman Niewodniczanski. Doch ich wurde entäuscht: Zurückhaltende Nase nach Steinobst und Schiefer, am Gaumen mit diffusen Aromen von Aprikosen und etwas Marzipan. Nervöse, penetrante Säure. Irgendwie nicht homogen. Ich habe den Wein am nächsten Tag noch einmal nachdegustiert, doch keine Verbesserung. Evtl. habe ich einfach eine schlechte Flasche erwischt...

Alk: 12%
Preis: 9,50€
Punkte: 77/100

Zu guter Letzt ein Basis Riesling* aus dem warmen Baden von Top Winzer Alexander Laible auch aus dem Jahr 2011. Ein Wein der wirklich Spaß macht. Intensives Bukett nach tropischen Früchten und reifem gelbem Steinobst. Am Gaumen nach Kiwi, Weinbergpfirsich und Apfel. Breitschultriger und bulliger als seine Vorgänger. Frische, gradlinige Säure. Der etwas höhere Alkoholgehalt ist toll eingebunden. Schöner mineralischer Abgang mit leichtem Schmelz.

Alk: 13%
Preis: 11€
Punkte 87/100