Sonntag, 22. Dezember 2013

Poppin' a good bottle..!

So erstmal ein paar Tage frei ! An den Weihnachtsfeiertagen muss ich mich natürlich noch mal in die Restaurant Küche stellen, aber danach ist Urlaub angesagt. Grund genug den Korken knallen zu lassen. Da es Heilig Abend dieses Jahr keinen Champagner geben wird (dazu bald mehr), gibt es heute schonmal ein Fläschchen französische Edelbrause. Aber nicht irgendwas ! Vintage, Baby !  

Und zwar aus dem Hause Nicolas Feuillatte, dem wie es heißt meistgekauften Champagner in Frankreich. Von Feuillatte gibt es zwischen dem Basis Champagner Brut Reserve und der weltbekannten Prestige Cuveé Palm D'Or noch einiges mehr im Sortiment. Eigentlich immer mit einem sehr gutem Preis-Leistungs Verhältnis. 



So auch der Blanc de Noir Jahrgangs Champagner von 2004, welcher ausschließlich aus der Rebsorte Pinot Noir gekelltert wurde. Blanc de Noir, also "Schwarz aus Weiß" bedeutet, dass hier ein weißer Wein aus roten Trauben gemacht wurde. Da sich die roten Farbpigmente nur in der Schale der Trauben befinden, kann man durch sehr sanftes Pressen einen weißen Most gewinnen und diesen zu Wein vergären. 

Das spiegelt sich auch im Duft diese Grand Cru Champagners wieder: Neben Noten von Orangenblüten, Weißbrot, und hellem Honig findet man auch Aromen von roten Früchten wie roten Johannisbeeren und Brombeeren. Auch am Gaumen setzt sich die Aromatik von roten Beeren und süßen Zitrusfrüchten fort. Dieser 2004er punktet weiter mit Vielschichtigkeit und Finesse, ist sehr dicht und trotzdem leicht. Gut balancierte Säure verleiht ihm dazu noch einen extrem langen Abgang.
Heute Abend wird er dann noch als Essenbegleiter herhalten müssen...auch das wird dieser Blanc de Noir locker meistern !

Alk: 12,5%
Preis: 54 €
Punkte: 94/100


Mittwoch, 11. Dezember 2013

Uncorked: 2007er Châteauneuf du Pape Cuveé Anonyme, Xavier Vins


Ja Châteauneuf du Pape, der Wein der Päpste, das sagt sich schon so toll und klingt so schön Old School... Châteauneuf du Pape ! Schnörkeliges Etikett, die Papstmütze als Relief auf der dicken Flasche. Find ich super, aber es geht auch anders. Modern nämlich. So wie bei Xavier Vignon. Find ich auch super, solange der Inhalt stimmt, und das tut er. 

Önologe Xavier Vignon war früher jahrelang als Berater für viele bekannte Weingüter der Süd Rhône tätig bis er 2002 anfing unter seinem eigenen Namen Wein zu machen und zu vermarkten. Er besitzt Rebfläche in einigen bekannten Weinbaugemeinden der Rhône wie Gigondas, Vacqueras oder Lirac, doch seine Besten Weine kommen aus der altehrwürdigen Gemeinde Châteauneuf du Pape, gelegen zwischen Orange und Avignon. Hier produziert er klassische, mächtige Rotweine in modernem Gewand, wie der "Cuveé Anonyme", der Speerspitze seiner Kollektion. 

Anonyme, weil Xavier nicht verrät welche Reborten in welchen Prozentsätzen verwendet wurden. Aber soviel ist klar: Die Trauben stammen aus 120 verschiedenen Parzellen, teilweise uralt. Der Ertrag liegt bei lächerlichen 25 hl/ha. Grenache, Syrah und Mourvedre sind auf jeden Fall drin. Doch in Châteauneuf sind 13 verschieden Rebsorten erlaubt, soviel wie nirgendwo sonst in Frankreich, also wer weiß...

Der Anonyme kommt erst sehr spät auf den Markt, da nach Handlese, Weinbereitung und Assemblage  der Wein für gut 48 Monate in verschiedenen Holzgebinden verschwindet. Dieser ganze Aufwand ergibt dann einem wirklich außergewöhnlichem Wein. Hinzu kommt noch der Jahrgang, denn 2007 war eins der besten Jahre in Châteauneuf überhaupt. Was dazu führte das Herr Parker diesem Wein ganze 96 von 100 Punkten zugestand. Viel erstaunlicher ist aber, das Parker in diesem Jahrgang keinen roten Châteauneuf Wein mit weniger als 90 Punkten bedachte ! Das gab's noch nie. 

Im Glas zeigt der Wein ein tiefes, dunkles Rot mit violetten Reflexen. Die Nase ist sehr intensiv.  Erdbeeren, Cassis, Pflaumen im Speckmantel und getrocknete Kräuter kommen mir in den Sinn. Am Gaumen mit Wahnsinns Textur: Feine Tannine, dicht und komplex. Zu den Fruchtaromen kommen Noten von Piement, Salzlakritz und Waldpilzen hinzu. Die Säure hält ihn eher muskulös als fett. Dazu gab es Filet und Shortrib vom US-Rind...just wow !

Alk: 14,5%
Preis: ab 30 €
Punkte: 93+/100 

Freitag, 15. November 2013

Die Libanesische Legende - Château Musar

Jetzt, wo die Tage zusehenst kürzer und kälter werden, bekomme ich immer häufiger Lust auf ein gute Flasche Rotwein. Leider ist das an einem späten Donnerstag Abend in Bochum garnicht so einfach, wenn man nicht seinen eigenen Vorrat plündern will. Doch Gott sei Dank gibt es da noch den Livingroom in der Luisenstraße. Schöner, großer Barbereich, lange geöffnet und weintechnisch erstes Haus am Platz. Also ab an den Tresen. Die Wahl fällt schnell. Es wird ein Wein, auf den ich schon lange scharf war und viel drüber gehört und gelesen, aber irgendwie noch nie getrunken habe. Ein Wein aus dem Libanon. Ja richtig gelesen, Libanon, genauer aus dem Bekaa Valley. Die meisten Menschen haben dieses Land nicht sofort auf dem Schirm wenn es um Wein geht, obwohl hier nicht erst seit gestern Weinbau betrieben wird, sondern seit läppischen 6000 Jahren ! Auch das Weingut, von dem dieser Tropfen stammt, gibt es schon seit 1930 - Château Musar. Gegründet von Gaston Hochar und noch heute in Familienbesitz liegt das Weingut nach Bordelaiser Vorbild im malerischen Bekaa Tal. Hier wachsen auf ca. 180 ha die Trauben für den Chateau Musar auf knapp 1000 Metern Höhe. So behalten sie die nötige Säure in diesem heißen Klima. Die Familie Hochar bewirtschaftet ihre Rebflächen seit Anfang an sehr naturnahe, die Weine werden mit nur sehr wenig Schwefel behandelt und kommen ungeschönt und unfiltriert auf die Flasche. 



Der 2001er Château Musar ist ein Cuveé aus Cabernet Sauvignon, Carignan und Cinsault. Die Reben sind im Durchschnitt 40 Jahre alt und werfen nur einen geringen, aber sehr Hochwertigen Etrag von ca. 35 hl/ha ab. Der Wein reifte ein Jahr in französischen Eichenfässern. 
Im Glas strahlt er Rubin Rot. In der Nase expressiv, nach Kirschen, Brombeeren, Lagerfeuer und getrockneten Feigen. Am Gaumen mit perfekt integrierter Säure. Erst fruchtig und mit feinen Tanninen, dann kommen Gewürze ins Spiel: etwas Zimt, Minze und Piment. Der Wein ist nicht fett, sondern elegant, komplex und leichtfüßig, fast burgundisch. Ein Traum..! Hat mit Sicherheit noch viele gute Jahre vor sich. Wenn man den Vergleich ziehen will, liegt der Chateau Musar für mich irgendwo zwischen Bordeaux, Rhône und Burgund mit einem unvergleichlichem orientalischen Touch !

Alk: 12,5%
Preis: ca 32 € (um die 70€ im Restaurant)
Punkte: 92/100

Dienstag, 22. Oktober 2013

Zwei Weine zum Curry

Ich bin ein großer Fan der Asiatischen Küche. Thai, Sechuan, Inden, Vietnam...völlig egal ! Es kommt auf die richtige Kombination von Gemüse, Fisch oder Fleisch mit den passenden Gewürzen und Kräutern an. Meist sehr komplexe Aromatik und oft pikant bis höllisch scharf. Gibt es Weine die dazu noch schmecken ? Auf jeden Fall ! Doch nicht jeder Tropfen kann bei so einem intensiven Essen mithalten: trockene, leichte Weißweine gehen schnell in die Knie und mächtige, alkoholstarke Rotweine verstärken die Schärfe der Speise meist noch unangenehm. Also muss die Geheimwaffe her: Zucker ! Ich höre schon die Schreie: Ich trinke aber nur trockenen Wein ! Dann aber bitte nicht zu Curry und Co. Denn die saftige Süße deutscher Kabinettweine oder Spätlesen puffert die Schärfe von Chilli und Ingwer perfekt und unterstütz die vielen exotischen Aromen. 

Ein tolles Beispiel hatte ich vor kurzen im Glas und zwar die Riesling Spätlese 2012 vom Weingut Hermannsberg aus Lage Niederhäuser Steinberg. Das Weingut an der Nahe wurde 1902 als Königlich-Preußische Weinbaudomäne gegründet und war damals ein absolutes Vorzeigeweingut. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Weingut weitgehend. 2010 erkannte ein Investor das große Potential der Weinberge und kaufte das Weingut und benannte es nach der Monopollage Hermannsberg. Die Spätlese vom Steinberg duftet nach Pfirsich und hellem Tabak. Am Gaumen mit dezenter, jugentlicher Kohlensäure und knapp unter 90 g/l Zucker, welcher perfekt von der, für 2012 typischen, straffen Säure balanciert wird. Dazu salzige Mineralität und Noten von reifen roten Stachelbeeren und Kamille. Macht irre Spaß zu leichter Thai Küche oder Wakame-Algen Salat und bei nur 8% Alkohol kann man ne ganze Kiste davon trinken. 



Hat man es mit einem etwas fetterem, üppigeren Gericht zu tun, wie zum Beispiel einem Spicy Auberginen Curry mit viel Kokosmilch und Reis, wie es heute bei mir auf dem Tisch stand, dann darf es auch ruhig etwas mehr Alkohol sein. Ich öffnete dazu ein Flasche aus dem nahen Elsass: Einen 2009er Pinot Gris aus der AOC Alsace Grand Cru Lage Steingrubler, einem 23 ha großem Weinberg mit Sand und Kalkmergelboden, von der Domaine Wolfberger. Zugegebenermaßen, bin ich kein großer Elsass Fachmann. Grade bei den Grand Crus, weiß man häufig nicht ob es sich um einen trockenen, halbtrockenen oder süßen Wein handelt. Die Domaine Wolfberger gibt auf ihren Etiketten dazu aber eine nette Hilfestellung, indem der Süßegrad auf einer Skala angezeigt wird. (siehe Foto)
Der Wein fließt gold-gelb ins Glas, mit einem leichten Kupferton. In der Nase sehr intensiv, nach reifer Ananas, kandierter Quitte, Aprikose und viel Akazienhonig und Kardamom. Mit etwas Luft kommen Noten von Mandeln und Vanille dazu. Im Mund mit eher milder Säure, daher üppiger und breiter als sein deutsches Pendant. Der Wein harmoniert genial mit dem süß-scharfen Curry !



Restsüßer Weißwein und Asia Food passt einfach. Leider haben das die meisten Asia Restaurants das noch nicht wirklich begriffen. Da werden die Weine der meist spärlichen Weinkarte, dem Essen selten gerecht...

2012 Riesling Spätlese Steinberg, Weingut Hermannsberg
Alk: 8%
Preis: ca 15€
Punkte: 90/100

2009 Pinot Gris Grand Cru Steingrubler, Domaine Wolfberger
Alk: 12,5%
Preis: ca 14€
Punkte: 89/100


Dienstag, 24. September 2013

Uncorked: 2011er Albariño, Paco & Lola

Als meine Freundin aus Barcelona wieder kam, sagte sie mir, dass sie mir eine Flasche spanischen Weißwein mitgebracht hätte. "Die Packung ist so schön, die könnte man als Handtasche tragen !" sagt Sie. Da dachte ich direkt an Rías Baixas und vorallem an Albariño. Und ich sollte Recht behalten. Wo in Rueda bei der Verpackung der Verdejos und Sauvignon Blancs nach meinem Geschmack eher gekleckert wird, wird in Rías Baixas geklotzt. Einige der modernsten Bodegas in ganz Spanien kommen aus dieser galicischen Region und das nicht nur was die Weinbereitung anbelangt, sondern auch Design und Marketing. 

Das Weingut Paco & Lola wurde erst vor einigen Jahren fertiggestellt und gehört ganz sicher dazu. Zum größten Teil unterirdisch gebaut, um einen kühlere Umgebung für die Vinifikation zu schaffen, setzt die Bodegas ausschließlich auch modernste Kellertechnik in Sachen Temepraturkontrolle, Pressen und Filtern. Auch Etiketten- und Websitedesign Folgen einem gut durchdachten Konzept. 
Das Aushängeschild ist der Albariño. Dem Riesling nicht ganz unähnlich, vermag es die Albariño Traube ihre Herkunft auch ins Glas zu bringen. Auch der Name Albariño bedeutet übersetzt "Die kleine Weiße vom Rhein", doch hat sie genetisch nur wenig mit dem Riesling am Hut. 



Der 2011er wurde wie jedes Jahr von Hand gelesen und selektiert und kühl in Edelstahltanks vergoren. In der Nase nach frischem Pfirsich, Apfel, Salbei, Heu und Kaffirlimonen Blättern. Am Gaumen mit intensiver saftiger Säure, blind würde ich auf Riesling tippen. Doch dann eine ungewohnt warme Mineralität, wie warmer, nasser Beton. Toller Trinkfluss. Ich hatte dazu Curry Geflügel mit Cranberries und Kürbis...genial !


Alk: 12 %
Preis: 11,50€
Punkte: 89/100

Dienstag, 10. September 2013

Alt und unverhofft...

Manchmal, wenn man nicht damit rechnet, kommt es vor, dass man völlig unerwartet einen Wein der Extraklasse erleben darf. Da findet einen der Wein, nicht andersrum. So ist es mir letzte Woche in Hamburg ergangen. Ich war dort um den Abschluss zum IHK Weinfachmann an der deutschen Wein und Sommelier Schule zu machen (Dazu bald mehr). Glücklicherweise habe ich eine Tante in der Hansestadt, welche mich großzügig in ihrem Gästszimmer aufnahm. So konnte ich mir natürlich einiges an Hotelkosten sparen. Eines Abend dann, erzählte ich, wärend wir gemeinsam kochten, euphorisch von Wein und meinem Lehrgang. Als die Beilagen soweit fertig waren und das Entrecote im Ofen abruhte, sagte meine Tante, sichtlich am Thema interessiert, das ihr Mann vor Jahrzehnten einiges an Wein gekauft hätte und ein Teil davon noch im Keller läge. Ich solle doch mal runtergehen und eine Flasche zum Essen raufholen. Also ab in den Keller. Unter dicken Staubschichten kamen alte Rieslinge und Beaujolais aus den 70ern zum Vorschein, die alle schon vor zig Jahren ihren Tod gefunden hatten. Nach einigen Flaschen Rotwein aus dem Rousillion, deren Inhalt schon zur Hälfte verdunstet war, wollte ich die suche schon aufgeben. Doch dann fand ich sie, in der hintersten Ecke: 1969er Clos de Vougeot Grand Cru von Château de la Tour. Die Füllstände waren dem Alter entsprechend gut, der Inhalt klar. Ich nahm eine Flasche mit nach oben und erzählte meinen Gastgebern von meinem Fund und dem ungefähren Wert dieser Burgunder und das ich über die Genießbarkeit des Weines keine Aussage treffen könne. "Ja dann mach ihn doch auf !" war die Antwort.
 


Und so tranken wir einen über 40 Jahre alten Burgunder, welcher in keiner Sekunde müde oder ausgezehrt wirkte. Transparent und Kirschrot im Glas, mit ins Orange gehender Randaufhellung. In der Nase so verführerisch, das man unweigerlich die Augen schließt. Warmer, erloschener Kamin, Leder, geräucherter Speck aber auch Kirsche, getrocknete Erbeeren und Tannengrün. Intensiv, aber nicht laut. Am Gaumen mit seidigen, milden Tanninen und unglaublicher, vitaler Säure. Hier wird klar, was diesen Grand Vin so lange am leben gehalten hat. Die Aromen setzen sich am Gaumen elegant fort, extrem vielschichtig, harmonisch, dicht und mit einem nicht enden wollendem Finsh ausgestattet. Das ist kein Getränk mehr, sondern eine Lebenserfahrung. Auch meine Gastgeber erkannten sofort, auch ohne viel Weinerfahrung, dass da etwas großes im ihrem Glas war... Danke dafür !



1969 Clos Vougeot, Château de la Tour, Burgund
Alk: ??
Preis: irgendwo zwischen 160 und 300 €
Punkte: 98/100

Sonntag, 25. August 2013

Uncorked: 2008er Riesling "Significa", Clemens Busch

Biowein. Für viele mehr ein moderner Marketing Begriff. Für Clemens Busch eine Lebenseinstellung und das schon seit über 25 Jahren. Seit 1986 bewirtschaftet er seine 10 Hektar Rebfläche rund um Pünderich an der Terrassen Mosel auf ökologische Weise. Mittlerweile sogar Biodynamisch, also nicht nur ohne chemische Pestizide und Herbizide, sondern auch mit einem anthroposophischen Ansatz nach Rudolf Steiner. Also selbst hergestellte Dünger und andere Präparate, Beachtung der Mondphasen und Ähnliches. Ist das noch besser als ökologische Weinbergsarbeit ? Keine Ahnung. Schmecken die Weine und spiegeln ihre Herkunft wieder ? Aber sowas von !

Terroir ist Clemens Busch extrem wichtig, nur das mache seine Weine einzigartig, sagt er. So kam es auch, dass er sich bereiterklärte, bei dem Projekt "Significa" der Handelsagentur Maxx Weine GmbH mit zu machen. Die Weine dieser Linie sollen signifikant für die Region sein, für die das entsprechende Weingut steht. Daher auch die Unterschrift des Winzers auf dem Etikett. Auch andere Spitzenweingüter wie Breuer, Knipser oder Dönnhoff sind mit am Start.

 

Zum Wein:
Das Traubenmaterial vom 2008er Riesling Significa von Clemens Busch stammt ausschließlich von Rot-Schiefer Böden. Das verleiht dem Wein schon in der Nase eine intensive Schieferwürze, außerdem Holunderblüte und Limettenschale. Am Gaumen mit pikanter Säure, extrem würzig, fast pfeffrig, gefedert durch etwas Restzucker. Die fünf Jahre sind im kaum anzumerken. Frisch, harmonisch und komplex. Im Abgang Salz und etwas getrocknete Orange. Ein toller Botschafter seiner Region !

Alk: 12%
Preis: 14€
Punkte: 88/100

Dienstag, 20. August 2013

Van Volxem Probe mit Roman Niewodniczanski

Die Erfolgsgeschichte des Weinguts Van Volxem ist eng verbunden mit der Lebensgeschichte von Roman Niewodniczanski. Ein Weingut von Weltruf, das war von Anfang an sein Plan. Doch wo ? Mit ordentlich Kapital der Bitburger Dynastie im Rücken machte sich der zwei Meter plus Hüne Ende der 90er, zunächst in Chile auf die Suche. Doch nach eigener Aussage waren ihm die Menschen dort zu klein und die Bedingungen nicht optimal. Danach ging es in die Toskana auf Weingutssuche. Dazu Niewodniczanski: "Mir gefiel die Nähe zu München. Ich dachte im P1 macht es bei den Frauen bestimmt Eindruck wenn ich sagen kann, dass ich ein Weingut in der Toskana besitze !" Doch im Vordergrund stand immer erstklassigen Wein zu machen und so musste Roman Niewodniczanski feststellen, dass die Weingüter die ihm die Bedingungen dafür bieten würden, selbst für ihn nicht bezahlbar waren. So wurde er am Ende in der Heimat Deutschland fündig, genauer in Wiltingen an der Saar...



Der Riesling, die Königin der weißen Rebsorten, soll es also richten. Herkunft bzw. Terroir ins Glas bringen, dass vermag der Riesling wie kaum eine andere Traube. Darauf setzt auch Niewodniczanski bei seinem Weg zum Spitzenwein. Das neu erworbene Weingut Van Volxem bot dafür zwar die Basis, doch verfügte es nur über relativ wenig Besitz und veraltete Kellertechnik. Denn um in der Weltspitze mitzuspielen benötigt man nicht nur top Qualität sondern auch Quantität. "Man muss liefern können", sagt er. So schloss der Quereinsteiger Niewodniczanski bis heute über 500 Kauf- und Pachtveträge mit zig Winzern, Weinbauern und Gemeinden ab um seinen Landbesitz in einigen der besten Weinbergslagen der Saar auf ca. 45 Hektar zu vergrößern. Mittlerweile teilt er sich klangvolle Lagen wie den Scharzhofberg oder den Altenberg mit Traditionsweingütern wie Egon Müller oder Von Othegraven. 

Außer der Spontangärung wird auch bei allem anderen wenig dem Zufall überlassen, Qualität ohne jegliche Kompromisse. Mehrere Erntedurchgänge, reine Handlese, extrem niedrige Erträge, keine Aufzuckerung oder Schönung der Weine...all das ist bei Van Volxem selbstverständlich, doch Perfektionist R.N. setzt noch einen (oder mehrere) drauf: Nehmen wir z.B. Das Thema Korken. Dadurch das Van Volxem auch viel Wein ins Schraubverschluss-feindliche Asien exportiert, sind alle Weine, auch die beiden einfachen Gutsweine, mit einem Naturkorken versehen. Aber natürlich nicht mit irgendeinem. Verwendet werden nur die besten Korken welche den Winzer stolze 1,40 € pro Stück (!) kosten. Das scheint sich zu lohnen, denn Van Volxem liegt nach eigener Aussage bei nur 0,2 % Korkschmeckeranteil und gibt Rückgaberecht auf verkorkte Weine. 
Auch an der Lagerfähigkeit seiner Weine lässt Niewodniczanski kein Zweifel, so gibt er mittlerweile selbst auf seine Basisweine 10 Jahre "Garantie". Man könnte etliche weitere Beispiele nennen, von Fässern aus eigenen Wäldern, modernsten Korbpressen u.s.w. An jedem Rädchen, welches hilft den Ruf und die Qualität der Van Volxem Weine zu erhöhen wird gedreht. 

Doch kommen wir nun zum Ergebniss des Ganzen, den Riesling Weinen. Davon hatte Roman Niewodniczanski einige im Gepäck. Ich möchte nicht auf jede einzelne Flasche eingehen, sondern mich auf die beiden brandneuen 2012er Großen Gewächse aus Goldberg und Scharzhofberg beschränken. Wobei ich sagen muss das die gesamte Kollektion durch die Bank extrem stark war. (Natürlich bestens begleitet von den von mir zubereiteten asiatischen Speisen: Sushi von Oktopus und Tuna, Chili-Beef Salad und Curry Shrimps mit Wakame Algen ;)



Die VDP Großen Gewächse werden ja eigentlich erst ab dem ersten September vorgestellt, doch für eine Reihe von Gastronomen und Fachhändlern wurde eine Ausnahme gemacht. Zwar noch als "Fassprobe" deklariert, ist der Wein aber schon fertig gefüllt, aber noch nicht auf dem Markt. Sozusagen eine kleine Weltpremiere ! 

Der 2012er Goldberg duftet nach Beeren, nassem Stein und ganz dezent nach Rauch. Am Gaumen eine eher saftige Säure, verspielt und filigran mit enormer Dichte. Trinkfluss und Länge, zwei der wichtigsten Kriterien bei Van Volxem, sind hier im Überfluss vorhanden. Auch beim 2012er Scharzhofberg sind diese Länge und dieser Trinkfluss jetzt schon da. Doch ist der Wein etwas ernster, weniger Frucht dafür mehr kühle Mineralik. Am Gaumen machen diese intensive Salzigkeit und Schieferwürze ordentlich Druck. Jahrgangsbedingt wirkt die Säure noch frischer und pikanter als 2011. Noten von Apfel und Limettenschale spielen nur die zweite Geige, der karge Schieferboden dominiert. Durch die leichte Kohlensäure und die jugendliche Spritzigkeit macht der Scharzhofberg zwar jetzt schon Spass, seinen Höhepunkt jedoch wird der Wein erst in einigen Jahren erreichen.

2012 Goldberg Großes Gewächs
92+/100

2012 Scharzhofberg Großes Gewächs 
93+/100

Danke an Herrn Bierwirth, Herrn Lelek und natürlich Roman Niewodniczanski für die tolle Probe.


Sonntag, 4. August 2013

Zu Gast auf Château Capion

Das Weingut Chateau Capion befindet sich seit Mitte der Neunziger Jahre im Besitz der Schweizer Familie Bührer. Nachdem Familienoberhaupt Adrian Bührer 1989 das Weingut Saxenburg in Südafrika erwarb, zog es die Familie zurück nach Europa. Nach längerer Suche, entdeckte man das doch recht runtergekommene Weingut Capion (damals noch Domaine Capion) im Languedoc, unweit von Montpellier. Auch die Weingärten waren nicht im besten Zustand, doch erkannten die Bührers das Potential des Terroirs aus steinigen Böden, stetigem Wind und einzigartigem Makroklima. Viele Reben mussten neu gepflanzt werden, doch einige alte Syrah-Rebstöcke blieben Capion erhalten. Heute stehen 45 ha Reben im Ertrag. Im roten Bereich dominieren die Rebsorten Syrah, Grenache und Mouvedre, aber auch bordelaiser Trauben wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc werden in kleinen Mengen angebaut. Die besten Weißweine entstehen aus den heimischen Sorten Viognier und Rousanne, ergänzt durch Sauvignon Blanc und Chardonnay. 



Dieses Jahr wurde ich von unserem Getränkelieferanten Kampmann aus Essen eingeladen das Château zu besuchen. Von Frankfurt-Hahn ging es mit der "Luxus" Airline Ryan Air nach Montpellier, wo uns spät abends Adrian Bührer höchst persönlich abholte. Am Château angekommen, wurden wir vom Master of Ceremony Roland Birr mit feinstem Seafood und der neusten Rosé Kreation des Hauses, dem 2012 Rosebud in Empfang genommen. Roland Birr, der von Adrian Bührer auch liebevoll "Der Zauberer" genannt wird, promotet die Weine von Château Capion und Saxenburg in 58 Ländern der Erde mit diversen Events rund um Wein, Speisen und savoir vivre
Zum Hauptgang gab es dann Côte de Boeuf vom Charolais Rind, stundenlang am offenen Holzfeuer gegart, mit Dijon Senf und Zwiebeln. Dazu wurde ein ganz besonderer Wein gereicht: Der 2009er "Le Juge", eine Cuveé aus hauptsächlich Syrah mit etwas Grenache und Mouvedre aus der gleichnamigen Prestigelage. Dieser Wein stammt aus der mittleren Qualitätsstufe, welche auf Château Capion Cardinals Serie heißt. Besonders ist dieser Wein nicht nur weil er extrem dicht und harmonisch ist ( nur 2800 kg pro Hektar Ertrag ), sondern weil er seit dem ersten Jahrgang 1996 maßgeblich zum Ruhm von Capion beigetragen hat. 2008 z.B. wurde das Weingut mit dem Decanter World Wine Award als bestes Weingut Frankreichs ausgezeichnet. Diese Auszeichnung war vorher ausschließlich Weingütern aus bekannten Anbaugebieten wie der Champagne oder dem Bordelais vorbehalten.



Am nächsten Tag gab es einen Rundgang durch die malerischen Weinberge. Roland Birr schoss mit Infos und Anekdoten über Boden, Vegetation und Philosophie des Weingutes um sich und Führte uns dann in den Fasskeller, wo einige Proben aus Barriques und einigen 500 l Fässern verkostet wurden. Leicht angeduselt von Alkohol und Hitze, gab es dann erstmal eine ordentliche französische Brotzeit mit Pasteten, Rilette, Käse und natürlich Wein. In diesem Fall der Weißwein "La Colombier" aus 70% Viognier und 30% Rousanne, benannt nach dem Taubenhäuschen (siehe Foto oben), unter dem wir saßen. Ein herrlich frischer Wein, mit Aromen von reifer Birne, gelben Blüten und etwas Apfel Tarte und trotz seiner 13% Alkohol nicht schwer. 



Abends ging es dann noch mit dem Quad in den Weinberg Le Juge, um der Sonne beim untergehen zu zuschauen. Im Gepäck einen, der wunderschönen Landschaft angemessenen Wein. Den weißen Erstwein des Hauses, den Château Capion Blanc. 100% Viognier. 100% der Hammer. Nur 1200 Flaschen werden pro Jahr von diesem Edelstoff produziert, er duftet noch hellem Honig, Akzie, Birnen und dem Languedoc. Dicht, frisch und lang.



Erfrischt von Pool und eiskaltem Quellteich und gesättigt von Roland Birrs traumhafter Paella ging es dann ins Bett, denn am nächsten Tag hatten wir die Ehre mit Adrian und Brigitte Bührer, sowie ihren Töchtern Raphaela und Fiona zu Mittag zu essen. Letztere Tochter hatte Geburtsag. (nach ihr ist übrigens die Einstiegslinie des Hauses Capion benannt). Aufgetischt wurde Wildschwein. Dieses stammte aus den weitläufigen Eichenwäldern um die Rebanlagen Capions und wurde von Sohn Manuel Bührer eigenhändig geschossen. Über Nacht im Ofen gegart, dazu Château Capion Rouge, der Grand Vin des Hauses...ein Traum ! Aus fast 100% Syrah, der Paradedisziplin Capions. Ein toller Ausklang für zwei unvergessliche Tage.



Danke an unglaublich herzliche Gastgeber !

2012 Rosebud 89/100
2009 Le Juge 90/100
2011 La Colombier 90/100
2010 Château Capion Blanc 93/100
2009 Château Capion Rouge 92/100




Mittwoch, 24. Juli 2013

Uncorked: 2010er Crozes-Hermitage Blanc, Nicolas Perrin

Nein Nicolas Perrin ist kein Winzer. Sondern eigentlich zwei Winzer. Aber eigentlich auch ein Handelshaus oder Negociant, wie es in Frankreich heißt...klingt komisch, ist aber so ! Die Erklärung dahinter ist aber gar nicht so kompliziert: im Jahr 2006 wurde das bekannte Traditionsweingut Paul Jaboulet-Aîne an der nördlichen Rhône von einem Schweizer Investor aufgekauft. Nicolas Jaboulet blieb als Weingutsdirketor, doch merkte er schnell, dass es ist mit den neuen Besitzern nicht so recht passte. Also stieg er aus, um wieder eigenverantwortlich Wein zu machen. Doch ohne eigenen Weinbergsbesitz und eigenen Keller ist das nicht so einfach. Also rief Nicolas seinen langjährigen Freund Marc Perrin an, welcher von der Süd-Rhône stammt und in dessen Familienbesitz sich das weltberühmte Bio Weingut Château Beaucastell Befindet. Gemeinsam gründeten sie das Handelshaus Maison Nicolas Perrin und kaufen nun seit 2008 von ausgewählten Vertragswinzern, zu denen sie schon seid Jahren ein gutes Verhältniss pflegen, beste Grundweine aus verschiedenen Anbaugebieten entlang der Rhône. Die Weine werden auf Château Beaucastell abgefüllt. Bisher werden ca. 35000 Flaschen im Jahr gefüllt.

Zwar machen Nicolas und Marc zum größten Teil Rotweine aus der Syrah Traube, doch haben sie auch einen traditionell bereitete Weißweine im Programm. Der Crozes-Hermitage Blanc stammt von durchschnittlich 20 Jahre alten Marsanne Reben, rund um die Weltberühmte Lage Hermitage an der Nord-Rhône. Der Wein wurde 5-6 Monate in gebrauchten Fässern auf der Hefe gelagert, was ihm noch mehr Struktur verleiht. 

Der 2010er besitzt eine leuchtend gelbe Farbe und duftet nach Lindenblüte, Haselnüssen und Anis. Am Gaumen schön breit, mit der durch die Rebsorte bedingten, milden Säure. Aromen von Äpfeln und Zitronen im Mund, dazu etwas Vanille und diese anisige Lackritz Note. Der Wein bleibt mit seiner dichten Aromatik lange haften. Zu Speisen die etwas mehr Fett mitbringen, passt dieser Marsanne hervorragend. Mal was anderes, wenn auch nicht billig !

Alk: 13%
Preis: 18€
Punkte: 89/100

Dienstag, 23. Juli 2013

Grill to Thrill

Gestern war ich von unserem Getränkelieferanten Kampmann in Essen zu einer, in Kennerkreisen legendären Veranstalltung eingeladen: Grill to Thrill. Dies ist eines von mehreren Events von Winzer, Globetrotter und ja, auch Entertainer Roland Birr, Mitbesitzer der Weingüter Château Capion in Südfrankreich und Saxenburg in Südafrika. Doch Herr Birr versteht es nicht nur euphorisch über seine Weine und Weingüter zu reden, sondern er hat zudem noch eine sehr ausgeprägte Leidenschaft für zwei Dinge: Feuer und gutes Fleisch. Neben Flanksteaks und Striploins von selbstgezüchteten Black Angus Rindern vom eigenen Landbesitz in Chile, brachte er auch französische Entenbüste und Perlhühner, Thüringer Duroc-Schwein und neuseeländisches Lammfleisch mit, alles in bester Qualität versteht sich. Und der Meister legte ausschließlich selbst Hand an, so wurde über 6 Stunden, von 5 Feuerstellen, ein Fleischhighlight nach dem anderen abgefeuert und außer gegen Ende etwas Gemüse, war die einzige Beilage Wein. Auf Gewürze und Soßen wurde zum größten Teil verzichtet, nur etwas Salz gab es um den Geschmack zu unterstreichen. 


Zu den Weinen:
Nach literweise eiskaltem Rosé "Fiona" von Château Capion als Aperitif, aus Cinsault und Mouvedre, der bei diesen heißen Temperaturen unglaublichen Trinkfluss entwickelte, gab es dann passend zu jedem neuen Gang einen Südafrikanischen Weißwein von Saxenburg. Erst eine Chenin Blanc Cuveé, dann ein reinsortiger, herrlich grasiger, frischer Sauvignon Blanc der Serie Private Collection aus dem aktuellen Jahrgang 2012. Mit Aromen von Zitronengras, Stachelbeeren und etwas Fenchel. Ich nehm es mal vorweg: Für mich der Gewinner des Abends. Durch seine Leichtigkeit und der erfrischenden Säure einfach der zum Wetter (und zum Perlhuhn) am besten passendste Wein. Da konnte auch der gradlinige, komplexe und holzfreie 2010er Chardonnay aus der Private Collection nicht mithalten. 


Die folgenden Rotweine hatten es da natürlich schwer. Auch wenn der aufmerksame Service den Wein  kellerkühl einschenkte, erwärmte er sich im Glas in so kurzer Zeit auf 26 Grad und mehr, dass einem beim reinriechen der Alkohol direkt entgegen sprang. Trotzdem merkte man vorallem beim Flaggschiff von Château Capion, dem 2008er "Le Juge" das da was besonderes im Glas ist. Extrem vielschichtig und intensiv, viel Brombeere und Cassis, aber auch Leder. Man merkt den sehr niedrigen Ertrag von ca 2800 Kilo pro Hektar. Eine konzentrierte Cuveé aus den Rebsorten Syrah, Grenache und Mouvedre mit herrlich langem Abgang.

Eine wirklich gelungene Veranstaltung, mit einem mehr als würdigen Botschafter seiner Weine: Roland Birr. Chapeau ! 


Saxenburg Private Collection Sauvignon Blanc 2012
Alk: 12,5%
Preis: um 12€
Punkte: 88/100

Donnerstag, 18. Juli 2013

Uncorked: 2005er Frontaura Crianza


Beim Anbaugebiet Toro D.O. von einem Geheimtipp zu sprechen, wäre mittlerweile einige Jahre zu spät. Längst weiß man um das Potential dieser kargen, bergigen Landschaft mit seinen teilweise uralten Rebstöcken der Tempranillo Traube, die dort Tinta del Toro genannt wird. Eine Bodega, die von Anfang an das Ziel verfolgte, eine der besten Weinerzeuger der Region zu werden, ist die Bodega Frontaura y Victoria. Ganze 10 Jahre bevor der erste Wein gemacht wurde, fing das Frontaura Team an ihre 100 ha Weinberge instand zu setzten und zu pflegen. Dies beinhaltete auch den Bau einer Tröpfchen-Bewässerungsanlage, welche mit Hilfe der Weinbergs eigenen Wetterstation auf die Bedürfnisse der Reben abgestimmt wird. Später folgten die ersten Test im Weinkeller, und zwar mit ausschließlich französischen Barrique Fässern. Man sieht also: Hier wird von Anfang an wenig dem Zufall überlassen. 

Das größte Kapital der Bodega sind aber Klima und Boden der Weinberge: Die 645 Höhenmeter sorgen für Abkühlung der Trauben und der sehr steinige Schwemmlandboden lässt die Reben ordentlich kämpfen. Das macht die Weine von Frontaura dicht und intensiv, aber nicht zu fett und marmeladig. 

Der 2005er Crianza stellt die dritt höchste Qualitätsstufe des Hauses da. Dieser Wein wurde 15 Monate in neuen Barriques ausgebaut und besteht natürlich zu 100% aus Tinta del Toro. In der Nase duftet er verführerisch nach schwarzen, reifen Kirschen, Drehtabak und etwas Holzkohle. Am Gaumen spürt man die Wärme des Herkunftslandes, doch ohne viel Alkohol und gut abgefangen von frischer Säure, die den Wein elegant hält. Die Frucht steht noch im Vordergrund, doch kommen gegen Ende interessante Noten von Kokos und neu gekaufter, teurer Lederjacke dazu. Wir tranken den Wein bei einem BBQ (ja ich weiß, der Begriff BBQ oder Grill taucht in letzter Zeit oft auf) zu gegrillten Chorizos und iberischem Schweinenacken...muss ich mehr sagen ?

Alk: 14%
Preis: ca. 50€ (Magnum)
Punkte: 91/100



Mittwoch, 3. Juli 2013

Drink Pink


Man hat es in Deutschland schon nicht einfach, also wettertechnisch. Wenn man hier in Sommerstimmung kommen will, muss man quasi allzeit bereit sein und jeden sonnigen Moment ausnutzen, sei er noch so kurz. Das ist harte Arbeit...

Ich mache das so: Sobald sich die Gelegenheit ergibt, sofort Freunde anrufen, Karton mit Gläsern unter den Arm und den immer bereiten, gekühlten Sommerwein (abgelutschtes Wort, ich weiß) einpacken und ab auf den Balkon oder in den Park oder sonst wo nach draußen, quatschen und saufen ! 

Ein Wein, der sich für so eine Mission als eine gute Waffe gegen den Bad-Weather-Blues herausgestellt hat, ist der 2012er "Philipp's Rosè" von Winzer Philipp Kuhn. Rund um das Pfälzer VDP Weingut Kuhn im Laumerheim gedeihen nicht nur einheimische Rebsorten wie Spätburgunder, Blaufränksich und St. Laurent, sondern auch internationale Traubensorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot. Alle Fünf befinden sich in der Cuveé für diesen Rosé und die Mischung stimmt: In der Nase fruchtig nach roten Johannisbeeren und Waldfrüchten. Am Gaumen extrem erfrischend, mit viel Säure. Da drückt der Jahrgang seinen Stempel auf. Dazu kommt nich eine dezente, jugentliche Kohlensäure die den Wein noch spritziger macht. Aromen von Nektarine und kräuteriger Anklänge kommen hinzu. Am Ende ordentlich Sauerkirsche. So macht Rosé trinken Spass ! Kein Bonbon Wasser sonder schön trocken (3g/l Restzucker).

Also Männer nicht schämen, sondern trinken. Oder um es mit den Worten von Winzer Charles Smith zu sagen: "You can drink Rosé and still be badass !"

Alk: 12%
Preis: 8,50 €
Punkte: 87/100



Freitag, 14. Juni 2013

Sommer Wein

Sommerwein. In der Rebsaft-Branche einer der breitgetretensten Begriffe übergaupt. Noch mehr als Kaminwein oder Spargelwein. Meistens spritzige, oft flache Weine mit wenig Alkohol, die in der Sommerzeit überall zu Dumping Preisen angeboten werden. Die meisten Konsumenten interessiert das nicht, Hauptsache eiskalt und rein. Doch was macht einen wirklich guten Sommerwein aus ? 

Welche Kriterien muss einer guter Sommerwein erfüllen ? Am wichtigsten sind für mich eine knackige, erfrischende Säure und guter Trinkfluss, denn der Wein sollte auch als Durstlöscher herhalten können. Super komplex und fordernd sollte er dabei nicht sein, doch sollte er auch nie langweilig wirken. Federleicht ist auch nicht zwingen nötig. Klar eine 15 Prozent Chardonnay Holzbombe aus Kalifornien will am Pool niemand trinken. Doch ein bisschen Substanz hilft dem Wein beim BBQ nicht gleich einzuknicken und seien wir ehrlich, die Sommer in unserem Land fallen doch eher nicht so heiß aus. 
Auch der Preis spielt natürlich eine Rolle, denn an einem warmen Sommerabend mit Freunden werden schnell mal ein paar Kisten vernichtet...bei mir zumindest. 

Eine Rebsorte die solche Weine hervor bringen kann ist die Scheurebe. Wenn sie vom Winzer ernst genommen wird, erbringt sie frische Weine mit exotischer Frucht und kann den Boden ins Glas transportieren. Ein wahrer Spezialist in Sachen Scheurebe ist das Weingut Pfeffingen in der Pfalz und das nicht nur im Restsüßen Bereich sondern auch im trockenen. Hier ist die Scheurebe hinter dem Riesling wichtigste Rebsorte und wächst neben ihm auf den besten Ungesteiner Lagen.  

Einer meiner Lieblings "Sommerweine" ist der 2011er Ungesteiner Scheurebe trocken von Pfeffingen. Aber ich trinke ihn auch im Herbst und im Winter...ach ja und im Frühling auch. Die Nase allein ist schon den Kauf wert: Kiwi, Limettenschale, Mandarine und Schulkreide. Am Gaumen mit gradliniger, pikanter Säure, extrem erfrischend dazu Aromen von Grapefruit und Stachelbeeren und grüne Noten die an gegrillte Piementos de Padron erinnern. Alles wird getragen von kalkiger Mineralität. Unglaublicher Trinkfluss. Den 2012er Jahrgang habe ich auch schon verkostet und da wird's noch frischer...

Alk: 13%
Preis: 10€
Punkte: 88/100





Donnerstag, 6. Juni 2013

Italians Best Bubbles: Francia Corta


Wir befinden uns im Jahre 2013 n. Chr. Ganz Italien ist von Prosecco besetzt... Ganz Italien? Nein! Eine von unbeugsamen Winzern bevölkerte DOCG hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten...

Ja schon klar, wenn man an Italien und Schaumwein denkt, kommt einem als erstes meist furchtbarer Prosecco in den Sinn. Aber aus Deutschland kommt ja auch nicht nur Rotkäppchen und Faber...
In der Lombardei, genauer in der Provinz Brescia wird seit einigen Jahrzehnten exzellenter Schaumwein nach der Champagner Methode hergestellt: Der Francia Corta. Auch die Rebsorten sind ähnlich dem des französischen Vorbildes, nämlich Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Blanc. Die nahen Alpen sorgen für gemäßigtes Klima und steinige Böden. Das bildet den Grunstein für elegante, intensive Weine im Champagnerstil. 

Das hat auch die Wein-Imperiums Familie Antinori mitbekommen und dort das Weingut Montenisa gekauft und mit modernster Kellertechnik ausgestattet. Mit höchsten Qualitätsansprüchen werden hier charaktervolle und ausschließlich trockene Francia Corta hergestellt. Schon das Einstiegsmodel, der Montenisa Brut Non Vintage, liegt volle 30 Monate auf der Hefe. (Nur 18 Monate sind vorgeschrieben). Die Cuveé besteht Hauptsächlich aus Chardonnay und Weisburgunder, mit etwas Pinot Nero. Im Glas ergibt das eine schöne gelb-goldene Farbe. Beim ersten reinriechen eher streng, mit markanten Noten nach Wacholder und herbem Apfel, erinnert etwas an Gin. Doch mit etwas Luft wird der Wein weicher und öffnet sich deutlich. Noten von Pfirsich, Äpfeln und Sauerteig setzten sich am Gaumen fort. Die elegante Säure hält ihn schlank und verleiht ein frisches Finish. Sehr feines Perlage. Natürlich gibt es Champagner die mir besser geschmeckt haben, doch für den Preis muss man Rund um Reims lange suchen !

Alk: 12,5%
Preis: um 20€
Punkte: 88/100


Samstag, 1. Juni 2013

Keine Angst vor Restsüße. Bitte.

Das deutscher trockener Weißwein aus Riesling, Sylvaner, Grauburgunder und Co. zur Weltspitze gehört und sich in der Heimat großer Beliebtheit erfreut ist bekannt. Grade im unteren bis mittleren Preisbereich schaffen es die deutschen Winzer frische, schlanke bis üppige Weißweine in sehr hoher Qualität auf die Flasche zu bringen. Vom soliden Altagswein bis zum großen Gewächs. Doch bei aller Euphorie fürs trockene, wird häufig vergessen was deutschen Wein weltberühmt gemacht hat: Restsüßer Wein, allenvorran Riesling, vom Kabinett bis zur Trockenbeerenauslese ! Für Briten und Amerikaner zum Beispiel, ist dies schon lange der Inbegriff für deutschen Wein. Dort haben die Menschen scheinbar keine "Angst" vor Restsüße, sondern importieren jährlich Millionen von Flaschen von Rhein und Mosel. Hier zu Lande scheint es fast eine gesellschaftliche Konvention zu sein trockenen Wein zu trinken,  obwohl viele fasziniert sind, vom Süß-Säure Spiel und der intensiven Aromatik restsüßer Weine dies aber scheinbar nicht zugeben wollen. Dabei können gute fruchtsüße Prädikatsweine so viel: Wenn trockene Weine als Essensbegleiter für scharfe Speisen aufgeben müssen, kann z.B. eine Spätlese eine pikantes Curry oder Wokgericht in ungeahnte Sphären heben. Und das bei sehr moderatem Alkohol Gehalt bei häufig unter 10%. Dazu kommt noch ein enormes Alterungpotential. So kann der Wein, je nach Zuckergehalt, mehrere Dekaden lang Aromen von Honig, Karamell oder getrockneten Früchte dazu entwickeln. 

Das bekannteste Anbaugebiet für Restsüßen Riesling ist sicher die Mosel. Bei kühlen Nächten und warmen Tagen, können die Trauben hier auf wärmespeichernden Schiefersteilhängen hohe Zuckerwerte erreichen, aber auch die so wichtige Säure entwickeln, welche die Süße ausbalanciert und diesen Wein unnachahmlich macht.

Eine Gemeinde an der Mosel, welche über Top Lagen verfügt und Spitzenweingüter beherbergt ist Graach. Und genau daher kommen drei Weine die mir zuletzt viel Freude bereitet haben. Die ersten beiden kommen vom VDP Weingut Willi Schäfer. Beide Weine sind Kabinett Rieslinge aus dem Jahr 2002, haben also schon über 10 Jahre auf dem Buckel. Der erste stammt aus der Lage Graacher Himmelreich und duftet nach Aprikosen, Honig und Ananas. Am Gaumen üppig, mit saftiger Süße und Exotischen Noten von Mango und wieder Reife Ananas. Dezenter Schieferton. Macht richtig Spass.
Die Reben des zweiten Weines stehen in der Lage Graacher Domprobst, welche quasi das Filetstück des Himmelreiches bildet. Hier gibt es sehr alte, teilweise wurzelechte Rieslingstöcke. Dieser Kabinett riecht nach Pfirsich, Aprikose und Apfel. Im Mund deutlich schlanker als sein Vorgänger, frischer, jugendlicher mit kräftiger Mineralität und gradliniger Säure. Unglaublich vielschichtig und komplex. Man möchte nicht aufhören zu trinken...

Der Letzte Wein stammt vom Weingut Phillips Eckstein, ein 3,5 Hektar kleines Weingut in Graach-Schäferei, von sehr alten Rieslingreben, wieder aus der Lage Domprobst. Doch diesmal eine 2006er Auslese***. Diesem Wein stellte ich eine Variation von Erdbeeren & Waldmeister an die Seite und das passte. In der Nase eher dezent nach nassen Steinen und gelbem Steinobst. Doch am Gaumen explodiert der Wein förmlich: frisch und saftig, viel salzige Mineralik, extremer Trinkfluss. Aromen von Zitrusfrüchten und Pfirsich. Wahnsinns Säure, welche die 121g Restzucker perfekt puffern. Langes, kühles, minziges Finish. 

Also wer sowas erleben möchte: Keine Angst vor Restsüße !

Willi Schäfer Riesling Kabinett 2002 Graacher Himmelreich
Alk: 8%
Preis: unter 10 € (damals)
Punkte: 89/100

Willi Schäfer Riesling Kabinett 2002 Graacher Domprobst 
Alk: 8%
Preis: unter 10 € (damals)
Punkte: 91/100

Phillips Eckstein Riesling Auslese*** 2006 "Alte Reben" Graacher Domprobst 
Alk: 9%
Preis: 22€
Punkte: 92/100



Mittwoch, 29. Mai 2013

Magnum Time !

Eine teure, alte oder seltene Flasche Wein zu öffnen, kann ja mitunter zu einem richtigen Ritual werden: Das schneiden der Kapsel und das vorsichtige Ziehen des Korkens, vielleicht mit seinem Lieblings Korkenzieher, das langsame Dekantieren, das Einschenken in dünne, auf Hochglanz polierte Gläser...
Und irgendwie noch besonderer wird es, wenn es sich um Großflaschen handelt. Egal ob Magnum, Doppelmagnum oder sogar noch größer, diese dicken, schweren Dinger machen einfach was her. 

Doch schmeckt der Wein darin nicht genau so wie der gleiche Wein aus der alt bewährten 0,75 l Flasche ? Nein. Vorallem nicht bei gereiften Weinen älteren Kalibers. Das liegt daran, dass das Verhältnis von eingeschlossenem Sauerstoff, bzw. der Oberfläche, zur Menge des Weines bei Großflaschen günstiger ist. Ergo, der Wein reift langsamer und besitzt somit auch ein höheres Alterungspotential. 

In der Champagne gilt die Magnum Flasche (1,5 l) als beste Verpackung fürs edle Prickelwasser. Denn vorausgesetzt die Flaschengärung findet auch in dieser Flasche statt (und wird nicht von den normalen 0,75er Flaschen in Großformate umgefüllt) ergibt sie die harmonischsten Weine. 

Auch bei uns mussten an diesem Montag einige Magnum Flaschen ihre Korken lassen. Im großen Kreis wurde gekocht, geredet, gegessen und und natürlich auch getrunken. Unter anderem eine Magnum 1979er Ducru Beaucaillou. Dieses als 2tes Grand Cru Classé eingestufte Château liegt auf der linken Seite der Gironde der Gemeinde St. Julien und ist bekannt für langlebige Bordeauxweine mit hohem Cabernet Sauvignon Anteil. Der Wein duftete zurückhaltend  nach dunklen Kirschen, Rauch und Maulbeeren. Am Gaumen anfangs etwas müde, öffnete er sich an der Luft langsam. Gute Säure, wieder Kirschen und dazu etwas angekauter Bleistift. Breit getretene Tannine. Der 1979er Ducru hat sein Zenit schon etwas überschritten, ist aber immernoch außerordentliches Trinkerlebnis.

Auch großes Kino war die nächste Bordeaux-Magnum. Eine 1996er Château Sociando-Mallet aus dem Haut Medoc. Ein Weingut von dem ich vorher nur gelesen hatte. Saftige Aromen von Brombeeren und Cassis dazu Vanille und heller Taback. Samtige Tannine, verführerische dezente Süße im Abgang. Herrlich reif, mit Potential für weitere Jahre!

Mein heimlicher Favorit des Abends, kam aber nicht aus dem Bordelais, sondern von der Nord-Rhône und war mit dem Jahrgang 2007 einer der jüngsten Weine. Der Côte Rotie "Cordeloux" von Winzer Pierre Benetiere ist eine klassische Cuveé aus 95% Syrah und 5% Viogner und wurde 20 Monate in neuem Holz ausgebaut. Hier findet man im Glas eher wenig Fruchtaromen, sonder Rauch und Gewürznoten dominieren. Schwarzer Pfeffer und Wacholder kommen mir in den Sinn. Am Gaumen extrem dicht und komplex. Zum toll balancierten Frucht-Fasswürze Spiel gesellen sich gemüsige (ich hasse das Wort "vegitabil") Noten wie Sellerie und Rübe. Im Abgang dann mit frischer Säure und mineralischem Finish. Hammer Wein und der perfekte Begleiter zum Filet vom Irish Hereford.

Château Ducru Beaucaillou 1979
Alk: 12,5%
Preis: ca. 190€ (Magnum)
Punkte: 88/100

Château Sociando-Mallet
Alk: ?
Preis: ca. 80€ (Magnum)
Punkte: 93/100

Côte Rotie "Cordeloux"
Alk: 12,5%
Preis: ca. 85 € (Magnum)
Punkte: 94+/100



Mittwoch, 22. Mai 2013

Weber und Siemens

Was haben diese Firmen mit Wein zu tun ?! Die erste schonmal garnichts. Aber ich habe mir vor kurzem einen Weber Gasgrill zugelegt und bin absolut begeistert. Direkt heiß, keine Asche, kein Rauch. Als alter Holzkohle Fan war ich ja skeptisch, aber selbst Grill Flair und Aroma kommen nicht zu kurz. Außerdem Grille ich jetzt ständig und alles mögliche und auch das Räuchern (z.B. mit Bio-Rebholzchips) funktioniert hervorragend. Und wie gut Wein und BBQ zusammen passt, muss ich ja wohl nicht erklären...

Wie der Wein zu meiner letzten Grill Session, bei der es, auf Wunsch meiner Freundin, doch eher Fisch und Gemüse lastig zuging. Der Wein war ein Riesling Namens "Scivaro" (altdeutsch für Schiefer) von der Saar. Verantwortliches ist das Weingut Dr. Siemens. Nein die haben nichts mit dem Elektro-Konzern zu tun, sondern hier hat sich wieder einmal ein Quereinsteiger seinen Traum vom eigenen Weingut erfüllt und zwar Dr. Jochen Siemens, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. 14 Hektar Weinberge, größtenteils Steillagen mit Schiefer- und Porphyrböden, bewirtschaftet das Weingut. Gute 9 Hektar davon sind mit Riesling bestockt. Auch der 2011er Scivaro ist zu hundert Prozent Riesling und einer der Einstiegsweine von Dr. Siemens. Und ich nehme es vorweg: Ein absoluter Kauftipp !

In der Nase fruchtig-frisch nach gelbem Steinobst,Quitte und nassen Steinen. Am Gaumen pure Trinkfreude: nicht staubtrocken, sondern mit etwas Restzucker ausgestattet, mineralisch, nach Pfirsich und Limette, schlank, klar. Wenig Alkohol, trotzdem intensiv ohne breit zu werden. Perfekter Sauffwein. Mit einer Flasche kommt man nicht aus. Muss man auch nicht bei diesem Preis. 

Alk: 12%
Preis: 9€
Gekauft bei: Vino Vin Dortmund
Punkte: 90/100


Donnerstag, 16. Mai 2013

Koehler-Ruprecht...A German Legend

Irgendwie umgibt die Weine von Koehler-Ruprecht immer etwas besonderes. Das Etikett ist seit Jahrzehnten unverändert (warum auch) und komischerweise sehen die Flaschen immer alt aus, egal ob man eine Flasche aus den 90ern in der Hand hält oder den aktuellen Jahrgang. Auch der Inhalt ist alles andere als gewöhnlich. Nur handselektiertes, perfektes Traubenmaterial, Gärung im Holzfass und langes Lagern auf der Hefe, machen die Weine von Winzer Philippi so einzigartig. In der Jugend oft verschlossen, entwickeln vorallem die Rieslinge mit der Zeit eine ungeahnte Aromenvielfallt. Auch sagt man den Weinen von Koehler Ruprecht teilweise unkonstante Qualität nach, aber so ist das eben wenn man so konsequent traditionell und arbeitet wie der Gambling Man Philippi.

Aus den drei Lagen Annaberg, Steinacker und Saumagen um das Pfälzer Dorf Kallstadt stammen Chardonnay, Gewürztraminer, etwas Pinot Noir und Riesling. Einen dieser Rieslinge hatte ich in letzter Zeit häufiger im Glas und zwar den 2009er Kabinett trocken aus der "Grand Cru" Lage Saumagen, quasi der Basisriesling des Hauses. Ein Wein der wirklich fordert, da er sich im Glas ständig zu verändern scheint. In der Nase erst nach exotischen Früchten, dann Lavendel und etwas Thai-Basilikum. Am Gaumen dann reif und üppig, goldenen Äpfel, Ananas und Mandarinenschale alles fein und elegant mit der lagentypischen Mineralik unterlegt. Ausgestattet mit viel Länge und Potential für weitere Jahre. 


Durch Zufall bekam ich zu meiner großen Freude noch eine Flasche 2002er Gewürztraminer Spätlese  aus der Lage Kallstadter Steinacker in die Hände, die im Anschluss natürlich auch direkt probiert werden musste. Schon der Duft ist extrem komplex und hoch interessant. Rose, Cavaillon Melone und reife Ananas. Am Gaumen ist die Restsüße kaum noch zu spüren. Ein über zehn Jahre gereifter Wein, doch absolut klar ohne eine Spur Firn. Holunderblüten- und Kräuternoten kommen hinzu, dahinter kreidig und mineralisch. Tolles, langes Finish. Ich werde die Augen definitiv weiter nach gereiften Koehler Ruprecht Weinen offen halten !


2009 Riesling Kabinett trocken

Alk: 11,5%

Preis: 11€

Punkte: 89/100


2002 Gewürztraminer Spätlese

Alk: 12,5%

Preis: ???

Punkte: 91/100



Donnerstag, 25. April 2013

Weingut Porzelt

Vor kurzem brachte mir einer unserer Weinhändler ein aktuelle Weißweinauswahl des Weingutes Porzelt aus der Pfalz vorbei und bat mich diese zu verkosten und ihm meine Meinung dazu zu sagen. Meist tut besagter Weinhändler das nur, wenn ihm die Weine ohnehin schon sehr gut gefallen haben und er sich bestätigt haben möchte. Doch diesen Gefällen tue ich ihm nicht immer, doch in diesem Fall war auch ich begeistert.

Vom Weingut Porzelt hatte ich bisher nur gelesen und zwar als Andreas Porzelt vom VDP Pfalz in das Förderprogramm "VDP Spitzentalente" aufgenommen wurde. Dieses Projekt ermöglicht aufstrebenden Winzern für fünf Jahre die Marketing und Vertriebskanäle des VDP zu nutzen und von anderen Vereinsmitgliedern zu lernen und sich auszutauschen.

Das Weingut Porzelt liegt im Örtchen Klingenmünster In der Nähe von Landau in der Pfalz. 13 Hektar Rebfläche werden auf verschiedensten Bodenarten von den Porzelts bewirtschaftet. Die besten Lagen des Ortes heißen Maria Magdalena, Gleiszeller und Kirchberg.

Aus der insgesamt starken Kollektion, gefielen mir zwei Weine besonders gut. Zum einen der 2012er Ortswein Klingenmünster Weißburgunder "Vom Muschelkalk" Spätlese trocken. Intensiv, mit wahnsinnig frischer Säure und noch etwas 2012-Kohlensäure. Beispielhafte Weisburgunder-Aromen von grünen Haselnüssen und Banane, gepaart mit kalkiger Mineralität.
Zum anderen begeisterte der 2011er Chardonnay aus der Paradelage Maria Magdalena. Fass gelagert, in der dicken, verkorkten Flasche ist dieser Wein einer der Flagschiffe des Hauses Porzelt. Frisch und knackig, nach roten Äpfeln und Kräutern. Bleibt lang und salzig am Gaumen haften. So macht deutscher Chardonnay Spass: dezentes Holz und schön schlank.

Porzelt ist auf gutem Weg in Deutschlands Spitze, denn auch Silvaner und der süße Gewürztraminer waren sehr gelungen...

Weißburgunder
Alk: 13%
Preis: 9,50€
Punkte: 88/100

Chardonnay
Alk: 13,5%
Preis: 14,50€
Punkte: 88/100








Samstag, 13. April 2013

Uncorked: 2011er Deidesheimer Leinhöhle Riesling, Reichsrat von Buhl

Umringt von lauter Ersten Lagen wie dem Paradiesgarten oder dem Kieselberg liegt die knapp 18 Hektar große Lage Leinhöhle westlich vom pfälzer Weinstädtchen Deidesheim. Komplett nach Süden ausgerichtet ist diese Hanglage eine der wärmsten der Gegend. Schon früher wussten die Deidesheimer Bürger den "Heißen Hügel" zu nutzen und bleichten dort ihre Leinen, daher der Name.
Heute ist die Leinhöhle zum Großteil mit Riesling bestockt und einige Hektar davon sind im Besitz des Weinguts Reichsrat von Buhl und werden vollständig ökologisch bewirtschaftet.
Trotz der extremen Temperaturen die im Sommer auftreten können (bis 50° Lufttemperatur) und einem relativ üppigem, vom Lehm dominierten Boden, wirkt der trockene 2011er Riesling nicht fett: in der Nase intensive Aromen von Pfirsich, Passionsfrucht, Apfel und Orangina Rouge die sich am Gaumen fortsetzten. Dazu saftige, animierende Säure und viel Extrakt. Der Abgang wird getragen von kräuteriger Mineralität und einer schönen Grapefruit Note. Definitiv ein Wein, mit dem man in den endlich nahenden Frühling starten kann...

Mittwoch, 3. April 2013

Wein und Fleisch II

Zum zweiten mal in diesen Jahr treffen sich drei Profis aus der Gastronomie, um unter dem Motto "Wein und Fleisch" objektiv die Wechselwirkung von tierischen Fetten und vergorenem Traubensaft zu analysieren...

Das Fleisch:
Diesmal gab es Schwein. Nein nicht dieses wässrige aus dem Supermarkt und auch kein Iberico, sonder was aus der Heimat: Thüringer Duroc Schwein. Glücklich, fein marmoriert, saftig. Ein 1,5 kg schweres Nackenstück war unser Objekt der Begierde. Schön mit geräuchertem Paprikapulver, Rauchsalz, Pfeffer und Kräutern eingerieben, angebraten und zwei Stunden bei 70° in den Ofen. Bäm ! Dazu gabs Ofengemüse...aber das ist Nebensache.

Die Weine:
Der erste Wein zum Fleisch war ein 2009er Pinot Noir der Santa Barbara Winery, von den Santa Rita Hills, Kalifornien. Dass Übersee-Pinots in der Regel etwas üppiger sind als Pinots aus dem Burgund oder deutscher Spätburgunder ist ja bekannt, da ist dieses Exemplar keine Ausnahme. Sehr fruchtiger, verführerischer Duft nach Waldfrüchten und frisch geschlagenem Holz. Am Gaumen eine Fruchtbombe, Sauerkirschen und Johannisbeeren, das Eichenholz ist deutlich spürbar, aber gut eingebunden. Die Tannine sind extrem seidig und saftig süß. Die Süße kommt jedoch von den mächtigen 14,7% Alkohol, welcher durch die intensive Frucht kaum auffällt. Mit den pikanten und rauchigen Aromen des Fleisches, wird der Wein spielend fertig. Das Fleisch kitzelt die Säure des Weins heraus, was ihn frischer und noch süffiger macht...keine halbe Stunde und die Flasche ist leer.

Danach wartet schon ein spanischer Klassiker in der Karaffe: Condado de Haza von Winzerlegende Alejandro Fernández aus der Ribera del Duero aus dem spektakulären Jahrgang 1995. Abgesehen vom ebenbürtigen Jahr 1996 gab es bisher keinen besseren Jahrgang. Dieser Tempranillo verströmt einen unglaublichen Duft nach süßen Kirschen. Am Gaumen setzt sich das Kirscharoma fort, hinzu kommen dezente Aromen von Mokka und warmer Asche. Die Tannine sind noch präsent, doch von der Zeit ordentlich breitgetreten. Säure, Tannine und Extrakt sind durch die Reife perfekt verschmolzen und kontern herrlich das Fett des Duroc Schweins. Leider verliert der Haza mit der Zeit immer mehr an Intensität. Je mehr Luft der Wein bekommt, je müder wirkt er. Aber ich denke nach 18 Jahren geht das in Ordnung. Muss man halt schneller trinken...

Nun ist das Fleisch vernichtet, die Bäuche sind voll, die Nacht ist längst angebrochen, man läuft Gefahr müde zu werden... Wir brauchen eine Erfrischung, was leichtes, aber süß muss es auch sein, wir haben schließlich kein Dessert. Am besten was Deutsches. Der Klimaschrank spuckt eine Flasche 2011er Ungsteiner Gewürztraminer Spätlese vom pfälzer Weingut Pfeffingen aus. Gute Wahl. In der Nase nach getrockneten Blüten, Honigmelone und Muskatnuss. Im Mund dominiert von kalkiger Mineralität und dezenter Süße. (28 g/l Restzucker) Bleibt lange haften. Ein perfekter Abschluss !

2009 Santa Barbara Winery Pinot Noir
Alk: 14,7%
Preis: 19€
Punkte: 89/100

1995 Condado de Haza
Alk: 13%
Preis: wenn man ihn noch irgendwo bekommt, so um 30€
Punkte: 90/100

2011 Ungsteiner Gewürztraminer Spätlese Weingut Pfeffingen
Alk: 11,5%
Preis: 10€
Punkte: 87/100









Donnerstag, 28. März 2013

ProWein muss sein

Auch dieses Jahr ist die größte Weinmesse der Welt, die ProWein in Düsseldorf natürlich wieder Pflicht. Einerseits ist die Prowein natürlich ein großes Vergnügen: Man trifft alte Bekannte wieder und lernt neue Leute kennen, die Weltbesten Winzer präsentieren ihre neusten Kollektionen und man hat die Chance alles zu probieren. Andererseits ist die Messe auch extrem anstrengend. Das Gelände ist riesig. Veranstaltungstermine und Meetings sind einzuhalten. Man verläuft sich ständig. (Ich zumindest) Das Essensangebot ist furchtbar und der Gaumen ist meist überstrapaziert. Probieren, Spucken, Notizen machen, laufen. Probieren, Spucken, Notizen machen, laufen...

Doch ich will hier nicht jammern sondern berichten und zwar vom Jahrgang 2012 in Deutschland.  So gut wie alle Winzer mit denen ich gesprochen, waren extrem zufrieden mit dem Jahrgang. Bei einigen hätte es etwas mehr Quantität seinen können, bei anderen mehr Botritis (Edelfäule), doch alle schwärmten von den kerngesunden Trauben die in die Pressen wanderten.
Meinem persönlichen Geschmack kommt der Jahrgang '12 sehr entgegen, denn die Parole lautet Säure. Die trockenen Weißen waren meist straff und sehr erfrischend. Cremige weiße Burgundersorten weniger cremig, was mir gut gefällt. Besonders gut steht die knackige Säure den restsüßen Prädikaten bis zu Auslese.

Highlights der von mir degustierten Restsüßen Rieslinge waren eine herrlich frische, noch von der Hefe geprägte, Spätlese aus der Wehlener Sonnenuhr vom Weingut Selbach-Oster sowie die Auslese** aus gleicher Lage. Auch gut gefallen hat mit die preisgünstige (ca. 15€) Auslese vom Rothenberg vom rheinhessischen Weingut Gunderloch. Doch alles in den Schatzen gestellt, hat die Auslese aus dem Saarburger Rausch vom Weingut Geltz-Zilliken von der Saar. Unglaubliche Frische, vielschichtig und jetzt schon mit unverschämter Länge ausgestattet.

Im trockenen Bereich ist mir die gesamte weiße Kollektion des pfälzer Weingutes Pfeffingen positiv in Erinnerung geblieben. Nicht nur die mineralischem Rieslinge, sondern vorallem die Weine aus Scheurebe und Gewürztraminer sind hervorragend gelungen. Beeindruckend waren auch die Basisrieslinge Saar und Schiefer vom Weingut Van Volxem. Irres Süß-Säurespiel, feingliedrig und vibrierend. Und das sind nur die Einstiegsmodelle...

Die Endeckung der Messe war für mich das Weingut Chat Sauvage aus dem Rheingau. Hier regiert nicht etwa der Riesling, wie im Rheingau üblich, sonder die beiden Burgundersorten Pinot Noir und Chardonnay. Die Weine aus diesen Rebsorten gelingen dem jungen Team von Inhaber Günter Schulz mitunter erstklassig: Der Jahrgangssekt aus 100% Chardonnay könnte auch aus der Champagne stammen, der Top Chardonnay "Clos de Schulz" ist ein mächtiger, aber eleganter Vertreter seiner Art mit elegantem Holz Make Up. Die Pinots aus Kapellenberg und Höllenberg sind duftig, finessenreich und dicht mit Potential für viele Jahre. Spätburgunder at it's best !








Samstag, 16. März 2013

Uncorked: 2009er Steinbuckel GG, Spätburgunder , Philipp Kuhn

In der Wein-Internet-Blogszene wird ja zur Zeit heiß diskutiert, warum die Deutschen ihre eigenen trockenen Spitzengewächse nicht genug selber konsumieren. Da muss man was ändern. Also einfachmal, mitten in der Woche, ein Pfälzer Großes Gewächs der Spitzenklasse getrunken !
Genauer ein 2009er Spätburgunder von Philipp Kuhn aus der Laumersheimer Lage Steinbuckel. Der Steinbuckel ist ein burgundisch anmutendes Kalkmassiv mit Lößauflage und Südost Ausrichtung. Selektive Handlese und der Ausbau in neuen Barrique Fässern sind für Kuhn bei seinen Größen Gewächsen selbstverständlich.

Der 2009er Steinbuckel ist ein Pinot Noir von internationalem Format: Zuerst muss man sagen, dass dieser Wein noch ein Baby ist, doch trotzdem ist er schon gut zutrinken. In der Nase herrlicher Kirschduft mit leichtem rauchig-würzigem Fassaroma. Am Gaumen dann Waldbeeren, Kirsche, Lagerfeuer und Anklänge von Schwarzwälder Schinken. In der Mitte lässt er ein wenig die Frische vermissen und die 14% Alkohol sind deutlich spürbar... Dann kam das Essen auf den Tisch. Nur ein kleiner Snack, Chicken Meatballs und Baguette. Doch der Wein blüht jetzt richtig auf. Der Alkohol trifft auf Fett und tritt in den Hintergrund, der Wein wirkt nun frischer und gewinnt extrem an Trinkfluss, ohne dabei an Finesse zu verlieren. Das Finish ist traumhaft lang, kalkig und komplex.
Great German Pinot !

Alk: 14%
Preis: 34€
Punkte: 91/100

Mittwoch, 6. März 2013

Weinland China ?

Wenn man vor einigen Jahren im Wein Business das Wort "China" hörte, konnte man die Dollar Zeichen in den Augen vieler Winzer, Großhändler oder Getränkemultis aufblitzen sehen. Hunderte Millionen von durstigen Konsumenten mit wenig Ahnung und einem starken Verlangen nach allem was aus dem Westen kommt. Dazu noch die Profiteure des chinesischen Wirtschaftsbooms, welche Unsummen für Bordeaux und Burgunder als Statussymbol locker machen. Da wurden sogar Etiketten farblich verändert um die Kauflust der Asiaten zu steigern, weil schwarz und rot in China für Glück stehen...

Doch die Zeiten haben sich geändert, jetzt schwingt beim Wort China eher etwas Angst und Misstrauen mit, wie bei "Todesstern" oder "Darmspiegelung". Denn die Chinesen drehen den Spieß so langsam um und machen was sie am besten können: Material und Know How aus dem Westen einkaufen. In diesem Fall Rebmaterial, Oenologen und Experten aus Europa. Nach tausenden Bodenproben in diversen Provinzen wurden riesige Rebflächen angelegt, um mit günstigen Basisweinen den Eigenkonsum des Landes teilweise abzudecken. So hat sich China auf Platz 5 der grössten weinproduzierenden Länder aufgeschwungen. Doch China ist riesig und so fanden die Experten in manchen Gegenden perfekte klimatische und geologische Bedingungen um Wein (vorallem Rotwein) in einer Qualität zu produzieren, welcher sich auch auf dem europäischem Weinmarkt nicht verstecken muss. Was dazu führt, dass die ersten Weine aus dem Land der Mitte nun auch nach Europa exportiert werden. Weißwein Länder wie Deutschland sehen das eher gelassen, doch Spanien und Frankreich betrachten den neuen Konkurrenten mit Argwohn. Kein Wunder, denn die Rebflächen in China wachsen weiter, die Löhne sind niedrig und der Weinbau wird staatlich gefördert.
Noch sind sie Exoten, doch die Experten sind sich einig: Chinesische Weine in den Regalen der Weinhändler und Supermärkte werden bald ein gewohntes Bild sein.

Um nicht unvorbereitet zu sein, habe ich schonmal einen der meist produzierten Weine Chinas getestet. Den "Great Wall", aus der unglaublich cool klingenden Rebsorte Dragon Eye, yeah ! Die China Great Wall Wine Company ist im Norden Chinas gelegen, genauer in der Provinz Sha Cheng.    Das Label gefällt mir schonmal sehr gut und warum sollte man den Wein auch nicht kaufen, steht doch auf der goldenen Kapsel: "Great Wall Wine - a name you can trust"
Doch dann die Böse Überraschung: Der Wein riecht alles andere als einladend, warmer, brackiger Tümpel im Hochsommer, faule Eier und gammelige Zitronen kommen mir in den Sinn. Am Gaumen noch schlimmer. Dünn, extrem bitter, irgendwie mehlig und sauer. Ich traue mich kaum zu schlucken... Grade so eben noch als Wein zu erkennen, nur dafür gibt es ein paar Punkte. Dieser Wein wird Europa sicher nicht im Sturm erobern.

Alk: 12%
Preis: 4,90€
Gekauft bei: Asia Shop
Punkte: 10/100



Donnerstag, 28. Februar 2013

Wein und Fleisch

...das sind zwei Dinge, welche in Kombination ein geniales Gaumen-Highlight bieten können. So geschehen an einem kalten Februar Abend im Ruhegebiet: Spontanes Treffen mit den Jungs, 2,5 Kilo feinstes US-Boneless Shortrib und ein paar Flaschen vergorener Traubensaft; das sind Zutaten für ein guten Abend.

Das extrem marmorierte Rindfleisch wurde von uns in Streifen geschnitten und nur mit Salz und etwas schwarzem Pfeffer gewürzt. Bei 300 Grad schön Medium gegrillt und direkt vom dicken Holzbrett gegessen, dazu nur etwas Baguette...mehr braucht es nicht. Fast.

Unser erster Wein zum Fleisch war ein deutscher Weißwein. Ja man kann auch zu deftigem Rindfleisch Weißwein trinken, wenn er so eine Granate ist wie der 2010er Chardonnay *** Spätlese trocken vom badischen Weingut Michel aus der Lage Achkarrer Schlossberg. Die Hitze des erstarrten Vulkangesteins des Kaiserstuhls lässt die Trauben sehr gut ausreifen und lässt den Wein opulent und üppig werden. Im Glas gold-gelb, in der Nase intensiv, mit Eichen und Apfel Aromen. Als Solowein ist er mir schon ein Tick zu mächtig, doch dann kommt das fettige Grillfleisch mit seinen Röstaromen dazu und der Wein kommt perfekt zu Geltung. Er bringt Alkohol und Extrakt mit um nicht unterzugehen. Am Gaumen zeigt er Noten von Karamell, Popcorn und Apfelkuchen. Top Kombination. Läuft.

Alk: 13,5%
Preis: 15€
Punkte: 89/100

Zweiter Gang, gleiches Fleisch, neuer Wein. Wir bleiben bei 13,5 % Alkohol und ordentlich Fassaroma, aber steigen um auf Rot. Unsere Wahl fällt auf eine 2005er Reserva von der Bodega Valdelana aus der Rioja Alavesa. Die 24 Monate im Barrique Fass haben dem Wein, welcher aus 95% Tempranillo und 5% Graciano besteht, intensive toastige Würze, mit Holzkohle und Salmiak Noten verliehen. Diese unterstreichen den herzhaften Geschmack der Shortribs sehr gut. Die Kirschfrucht im Wein, die frische Säure  und die recht leichte Art sorgen für die nötige Süffigkeit.

Nach noch mehr Wein und noch mehr Fleisch geht dieser Foodporn erst am Morgen des nächsten Tages leicht betrunken und mit fettigen Fingern zu Ende...






Samstag, 23. Februar 2013

Kult-Aperitif aus Bordeaux: Lillet

Lillet ?! Aber das ist doch kein Wein !

Aber Lillet hat doch mehr mit Wein zu tun als die meisten Leute denken und da ich ein großer Fan bin und Lillet pur als Aperitif oder als Teil diverser Drinks und Cocktails dieses Jahr DER Trend sein wird, wollte ich darüber berichten.

Die Firma Lillet wurde 1872 im Örtchen Podensac am Fluss Gironde im Weinbaugebiet Bordeaux gegründet und 15 Jahre später kam der Lillet Blanc auf den Markt. Dieser besteht aus den klassischen weißen Rebsorten des Bordeaux, Semilion und Sauvignon Blanc und wird bis zu 8 Monate in Eichenholzfässern ausgebaut. Dazu kommt noch 15% Fruchtlikör, welcher mit den verschiedensten Zutaten aus aller Welt, wie peruanische Chinarinde und Zitrusfrüchten aus Haiti und Marokko aromatisiert wird. In den 1950er Jahren kam dann der Lillet Rouge hinzu, welcher vorallem für den US-Americanischen Markt gedacht war. Der Grundwein für den Rouge besteht aus Cabernet Sauvignon und Merlot und duftet nach Gewürzen und Vanille. Letztes Jahr wurde das Sortimemt dann mit dem Lillet Rosé Nichteinhaltung erweitert, der von Grapefruit Noten dominiert wird.

Seinen Kultstautus hat der Lillet nicht zuletzt den Briten zu verdanken, denn die Gräfin von Windsor war es die den französischen Aperitif  in den 50ern in London und Paris beliebt machte. Und seit James Bond in Casino Royale den "Vesper" (Lillet Blanc, Gin und Wodka) kreierte, ist der Lillet in jeder guten Bar zu finden.

Der beliebteste Lillet Drink in der deutschen Gastronomie ist im Moment wohl der "Lillet Vive", hierfür wird 5 cl Lillet Blanc und 10 cl Tonic auf  Eis in ein Weinglas gefüllt und mit Gurkenscheibe, Erdbeere und Minze garniert.

Als Gin-Liebhaber mag ich es da etwas straighter und so habe ich mit unserem Barkeeper den "French Monkey" kreiert. Dafür werden 4 Teile Monkey 47 Schwarzwald Gin und 1 Teil Lillet Rouge mit einem Barlöffel frischen Preiselbeeren und Eis kurz geshaked und dann durch ein Barsieb in ein Martini Glas geschüttet und mit frischen Preiselbeeren garniert. Great !